Zwei Bücher – zwei ganz unterschiedliche Familiengeschichten. Ich kann gar nicht sagen, welches Buch mir besser gefallen hat. Beide sind unbedingt lesenswert und Ihr müsst sie lesen!
Annett Gröschner, Schwebende Lasten
Zugegeben hat mich weder der Titel noch das Cover zum Lesen animiert, deshalb hat es gedauert, bis ich angefangen habe zu lesen, doch dann konnte ich das Buch nicht mehr aus der Hand legen. Schon die ersten Sätze haben mich in die Geschichte hineingezogen und ich wollte wissen wie das Leben von Hanna aussah. Die Kapitel werden mit Blumenbeschreibungen eingeleitet und Blumen spielen im Leben von Hanna eine große Rolle, auch wenn sie ihren Beruf als Blumenbinderin nicht lange ausführen konnte und stattdessen viele Jahre als Kranführerin in den Thälmannwerken in Magdeburg arbeitete. Die Geschichte beginnt im Kaiserreich und endet Ende des 20. Jahrhunderts mit dem Tod von Hanna. In ihrem Leben hat Hanna viel zu ertragen und dann gibt es wieder diese leichten Momente, man schmunzelt und dann bleibt einem das Schmunzeln wieder im Halse stecken. Hanna nimmt ihr Schicksal einfach an und versucht, sowohl in der Zeit des Nationalsozialismus als auch in der Zeit des realexistierenden Sozialismus, das Beste daraus zu machen, für ihre Familie und für sich. Einige Alltagsbeschreibungen erinnern mich an meine Großmutter und wahrscheinlich ist es das Leben einer ganzen Generation, das ähnlich verlaufen ist, egal ob in Ost- oder Westdeutschland. Es ist auch eine Geschichte von den vielen Frauen, die das Leben egal in welchen politischen Umständen am Leben gehalten haben. Das Leben von Hanna endet mit 237 Blumensträußen in ihrer Wohnung und mit Zwergsonnenblumen, die den ehemaligen Blumenladen von Hanna, der schon jahrzehntelang nicht mehr existiert, markiert und für das Hannas Töchter keine Erklärung haben. Es ist ein Buch, das mich noch lange beschäftigt und zum Erinnern anregt.
Liz Moore, Der Gott des Waldes
Was hat es mit dem Geheimnis der Familie van Laars auf sich? Zuerst verschwindet der Sohn und wird nicht gefunden und 13 Jahre später verschwindet die Tochter. Was passiert auf dem Gelände des Familienbesitzes der van Laars, auf dem jedes Jahr ein Sommercamp für Kinder und Jugendliche stattfindet und in den dichten Wäldern der Adirondack Mountains liegt. Die Ereignisse werden aus der jeweiligen Perspektive von Frauen aus unterschiedlichen Gesellschaftsschichten erzählt. Diese Erzählweise macht es besonders schwierig das Buch aus der Hand zu legen, denn wenn das Kapitel endet, dann will man wissen wie die Erzählung aus Sicht der Protagonistin weitergeht. Spannend bis zum Schluß mit Wendungen, die nicht vorhersehbar sind. Beste Unterhaltung nicht nur für Krimifans! Gehört in jeden Urlaubskoffer. Und falls Du dich im Wald mal verlaufen solltest: Setz dich hin und schrei!
Dem Fotograf ging es zwei Tage nicht gut. Ich konnte mich glücklich schätzen, dass er uns noch zum gebuchten Campingplatz fahren konnte. Ich hätte auf diesen Straßen sicher nicht nur einen Herzinfarkt bekommen. Von meinen Wanderungen gibt es nur wenige Fotos, aber auf den versteckten Eingang zu einer tollen Flußwanderung muss hier hingewiesen werden.
Eine kleine Radtour nach Gesundung zu dem Touristenstädtchen Porthmadog
Das Herz von Eisenbahnern schlägt hoch, denn hier fährt die alte Dampflok zu einer kleinen Rundreise ab und auch die Schaffner sind zeitgemäß gekleidet.
und vor der Rückfahrt gab es für uns noch Fish and Chips.
Wobei auch hier wieder die Portion groß, der Geschmack aber klein war.
Das ist ein guter Anlass, mal ein paar grundsätzliche Dinge loszuwerden:
Bäckereien, Metzgereien, Fisch- oder Gemüseläden findet man kaum, dafür selbst in kleinen Städten massenhaft Barbershops und Nagelstudios. In den Supermärkten sind viele Regale leergeräumt und die Auswahl an Gemüse ist sehr begrenzt. Zum großen Bedauern von Michael gibt es Spargel!
Die Situation im britschen Gesundheitssystem scheint desolat zu sein. Campingnachbarn berichten von mehrjährigen Wartezeiten selbst für Tumoroperationen, da unternimmt wohl manche einen Therapieversuch im ganzheitlichen Therapiezentrum durch Handauflegen oder läßt sich die Karten legen. Das kann man dann auch gleich mit dem Friseurbesuch nebenan kombinieren.
Aber keine Sorge, das britische Gesundheitssystem verfügt auch über motorisierte Fahrzeuge.
Briten und Hunde: mindestens einer pro Familie, mehrheitlich aber zwei. Ein Campingplatz hat massive Kritik erhalten weil er „nur“ drei Hunde pro Stellplatz genehmigt. Laut Statista leben in England 12,7 Mio. Hunde bei ca. 55 Mio. Einwohnern. Zum Vergleich sollen es in Deutschland 10,5 Mio. Hunde bei ca. 83 Mio. Einwohnern sein. Der Welthundetag ist übrigens am 10. Oktober
Was heißt Pizzle? Der Name war mir natürlich nicht bekannt, aber der medizinisch geschulte Mitfahrer erkannte die Schwellkörper und damit die anatomische Herkunft der Leckereien. Ebenfalls erhältlich waren Stierhoden, so kann man, wenn man beides kombiniert, bei besonderen Gelegenheiten seinem vierbeinigen Liebling eine Art „Herrengedeck“ servieren.
Wenden wir uns nun dem Camperleben zu: Knapp vorbei ist auch vorbei oder wie man in kurzer Zeit einen Parkplatz mit Grauwasser flutet.
Die Küste von Wales ist fantastisch. Strände, Klippen und kitschige Sonnenuntergänge.
Das sind keine vom Zufallsgenerator produzierten Passwörter, das ist walisisch!
Wenn man sich auf dem Stellplatz in Aberdaron einen Platz direkt an den Klippen sichern kann, schaut man Delphinen in der Abendsonne zu.
Und im Ort kann man direkt am Stand ein gutes Ale trinken und den Engländern beim Baden zusehen. Uns wäre die Wassertemperatur noch zu kalt gewesen.
Zwei Tage später und nur wenige Kilometer weiter die Küste entlang, saßen wir dann abends gemütlich vor unserem Kärrele bei einem Glas Wein
mit Blick in diese geschützte Badebucht
Besuch von Penrhyn Castle
Penrhyn Castle gehört der Familie Pennant. Der Reichtum dieser Familie stammte von jamaikanischen Zuckerrohrplantagen, auf denen im 18. Jahrhundert Sklaven für Richard Pennant arbeiteten. Er hat sich gegen die Abschaffung der Sklaverei ausgesprochen und mit seinem erworbenen Vermögen ließ er Straßen, Eisenbahnen, Schulen, Hotels, Arbeiterhäuser und Kirchen in Nordwales bauen. Heute hat Penrhyn Castle viele Besucher, die sich staunend im Haus umsehen und von den großen Parks begeistert sind. Ob sie auch wissen woher der Reichtum kam?
Die englische Campingcommunity: Ihr erinnert euch, wir sind dem CCC beigetreten und daher konnten wir auch an einer sogenannten Rallye teilnehmen. Wobei es nichts mit den Motorsport zu tun hat, sondern sich auf das englische Verb rally bezieht, nämlich versammeln und zusammenbringen. Und genau das tun die „Ortsgruppen“, sie bringen Camper zusammen indem sie ein Stück Wiese, die mit roten Bändern parzelliert wird, Wasser und Toilettenentleerung bereitstellen. Und man fühlt sich sofort wie in einer Familie.
Wir haben in unserem, zugegeben, kurzen Camperleben noch nie offenere, sympathischere und freundlichere Menschen getroffen als hier in GB. Wir wurden immer angesprochen und jeder und jede fand ein Thema, das sich lohnte mit uns zu besprechen.
Und mindestens einmal am Tag hört man auf den Campingplätzen eine Bimmelmelodie, die nur aufhört, wenn man ein Softeis kauft
Unser CCC-Platz war in der Nähe des Seebads Llandudno, da mit einer kilometerlangen Promenade lockt
die an einer Seebrücke endet, auf der der typische englische Rummel stattfindet
In der anderen Richtung des Campingplatzes ging es nach Porth Eirias, wo wir mal wieder ein schönes Abendessen im Bry Williams hatten
und am nächsten Tag die Fete zum VE-Day in Colwyn Bay besuchten
Besonders die Aufführung des örtlichen Sportclubs war sehenswert
Hier ein Blick auf unsere Reiseroute seit Manchester und wie es bis zur Fähre nach Irland weitergeht
Das Buch habe ich ab Anfang März in Abschnitten gelesen und war manchmal unschlüssig, ob ich es wirklich zu Ende lesen soll. Denn die Autorin scheint ihr gesamtes Wissen unbedingt in dieses Buch packen zu wollen und daher kommt es meiner Ansicht nach zu vielen Redundanzen, die auf Dauer ermüden können. Das Buch ist zwar einfach geschrieben und man kann es auch ohne große Vorkenntnisse zu Russland und seiner Geschichte lesen, aber ein Lektorat, mit Mut zum Streichen und Straffen der Kapitel, hätte ihm gutgetan. Irina Rastorgueva berichtet über alle Bereiche des russischen Lebens und wie dort seit vielen Jahren bewusst und gezielt Gehirnwäsche betrieben wird. Sie beschreibt die Praxis der Gerichtsbarkeit, in denen Willkür von Putins Gnaden herrscht, die Praxis der Polizist*innen, die ihr Plansoll erfüllen müssen, oder auch die Unterstützung des Systems durch die russisch-orthodoxe Kirche. Sie berichtet von manipulierten Wahlen in den Teilrepubliken und zeigt den Konflikt zwischen dem Anspruch eines russischen Imperiums versus des Unabhängigkeitswillens der Teilrepubliken. Besonders wenn sie über diese Teilrepubliken schreibt, hätte ich mir eine Karte gewünscht, um mich in dem riesigen Land zurechtzufinden. Vieles von dem was sie schreibt klingt unglaublich, klingt verrückt und dennoch ist es wahr. Erschreckend, wie bereits im Kindergarten begonnen wird, eine veränderte russische Geschichte zu lehren. In den Schulen müssen die Lehrer trotz besseren Wissens eine andere Geschichte, so wie vom Ministerium vorgegeben, unterrichten und durch diese Geschichtsklitterung wird eine ganze Generation manipuliert.
Die Autorin sieht leider sehr pessimistisch in die Zukunft und ist der Meinung, dass kaum demokratische Veränderungen in Russland mehr möglich sind. Und wenn man ihr Buch gelesen hat, dann versteht man auch, warum das so ist. Durch die gezielte und jahrzehntelange Gehirnwäsche des gesamten russischen Volkes glauben wahrscheinlich immer mehr der Pop-up-Propaganda Putins.
Trotz meiner kritischen Anmerkungen finde ich, dass die Autorin zu Recht den Sachbuchpreis der Leipziger Buchmesse bekommen hat. In der Mediathek des Deutschlandfunks findet sich eine hörenswerte Rezension zum Buch und wer nicht das ganze Buch lesen will, hat die Möglichkeit, die Autorin am 5. Juni im Buchhändlerkeller in Berlin und am 28. Juni beim Berliner Bücherfest zu hören und zu sehen.
sind wir einem Campingclub beigetreten. Es war die einzige Möglichkeit relativ günstig einen Stellplatz in der Stadt zu finden und unser Kärrele auch für die Tage in Manchester dort stehen zu lassen.
Links geht es zum Bahnhof und rechts in die Innenstadt von Shrewsbury.
Und zum sehr späten Frühstück gab es dann erstmal Tacos und Bier (alkoholfreies war auch dabei)
Dann hat uns Manuel ein kleines Städtchen namens Bridgnorth gezeigt.
Die Standseilbahn verbindet seit 1892 bis heute die Ober- und Unterstadt.
Im Park, wie so oft, ein Denkmal für die Gefallenen der Weltkriege.
Für uns immer mit einem beklemmenden Gefühl verbunden, da es besonders an die katastrophale Rolle der Deutschen in diesen Zeiten erinnert. Die Taube interpretieren wir hier mal als Friedenstaube.
Es gibt hier noch den klassischen Hairdresser, der sich gegen die meist orientalisch orientierten Barbershops durch aufgeräumte und schlichte Innenausstattung auszeichnet.
Shrewsbury bietet einige gute Restaurants, wobei wir uns mal wieder für japanisches Essen entschieden haben
Es folgte ein typischer Sonntagvormittag mit Wanderung im nahen Nationalpark mit Schafen und wilden Pferden
und danach einer Stärkung im kleinen Café vor Ort mit Scones und clotted cream.
Und zum Abschluss des Tages ein Sunday Roast:
Ein typisch englisches Sonntagsessen mit viel Fleisch, Kartoffeln und Yorkshire Pudding. Dass man die Minzsauce als Bereicherung empfindet, spricht nicht für den Rest dieser Mahlzeit. Kann man mal probieren und dann abhaken.
Das Lokal allerdings liegt wunderbar am Fluß direkt an einer steinernen Brücke und bietet klassisches englisches Interior.
Am nächsten Morgen ging es dann nach Manchester
Der Zug fährt eine Stunde nach Manchester. Die Hinfahrt war auf die Minute pünktlich, aber auf der Rückfahrt gab es Verzögerungen im Fahrplanablauf und eine zwanzigminütige Verspätung. Also alles wie bei uns? Nicht ganz, denn zwei Tage später habe ich eine Email erhalten mit dem Hinweis, dass ich wegen der Verspätung eine Rückerstattung von 25% des Fahrpreises erhalte würde.
Manchester ist der Geburtsort der Suffragetten-Bewegung. Hier begann der Kampf für das Frauenwahlrecht in England. Eine der Vorkämpferinnen war Emmeline Pankhurst, die 1903 die Women’s Social and Political Union gründete.
Mutige Frauen gingen für ihre Rechte nicht nur auf die Strasse, sondern auch ins Gefängnis. Mehr über die Frauenbewegung kann man im Museum in Manchester erfahren.
Bienen, überall Bienen. Zum einen wurde die Biene während der industriellen Revolution zum Symbol für den Fleiß und die Zusammenarbeit der Mancunians. Sie steht für harte Arbeit, Gemeinschaft und die Transformation der Stadt in einen Bienenstock der Industrie.
Heute findet man Bienen überall im öffentlichen Raum wie auf Mülleimern, Straßenlaternen und die Nahverkehrsbetriebe heißen Bee Networks. Die Bienen sind aber auch auf Hauswänden, wie hier auf der Fassade vom New Union Hotel.
Das Gebäude steht an der Canalstreet und mitten im Gayviertel von Manchester. Sowohl das Hotel als auch der Pub nebenan sind historische Orte wie uns unser Guide erzählte. Der Pub war der erste, der keine Vorhänge an den Fenstern hatte und damit erstmals Schwule in der Öffentlichkeit sichtbar waren.
Zum anderen spielt die Zahl der 22 Bienen auf dem Gebäude eine Rolle. Sie entspricht der Opferzahl des islamistischen Anschlags auf das Konzert von Ariana Grande im Jahr 2017. Nach diesem Anschlag bot ein bekannter Tätowierer in der Stadt allen Bewohner, gegen eine Spende an die Opfer, ein Bienentattoo an. Die Aktion wurde ein voller Erfolg. Angeblich gibt es seitdem ca. zehntausend Mancunians mit einem kleinen Bienentattoo auf dem Unterarm.
Hier soll es sich um die älteste öffentliche Bibliothek der englischsprachigen Welt handeln. Die Chetham’s Library sieht aus wie eine Kirche und ist voll mit alten Büchern und mittelalterlichen Manuskripten und der Lesesaal ist auch noch heute in Benutzung.
Für unsere Musikfans: Es gibt den berühmten Manchestersound der späten 80er und 90er Jahre und der legendäre Hacienda Club Fac 51 als deren Epizentrum. Besitzer des Clubs waren die Firmeninhaber von Factory Records, die alles was mit der Firma zu tun hatte, durchnummerierten, daher Fac 51. Bilder von dem Club gibt es keine, das Gebäude wurde abgerissen und jetzt steht dort ein Hotel.
In Manchester macht man die Dinge anders, sagt unser Guide Dany. Beispielsweise beschloss die Uni ein Denkmal mit Stadtbezug zu errichten. Da könnten einem viele Dinge einfallen wie ein Hinweis auf die 19 Nobelpreisträger der Universität oder die Arbeiten von Friedrich Engels und Kar Marx, die beide einige Jahre in der Stadt verbrachten.
Die Uni beschloss, dass die Studenten entscheiden sollten, welcher Stadtbezug ihnen wichtig war. Und die entschieden sich für Vimto, eine hier vor Ort gebraute Limonade. 1908 kreierte ein Kräuterimporteur diese Limo, um den umsichgreifenden Alkoholkonum einzudämmen. Das gelang ihm bekanntlich nicht, aber die Limo wurde vor allem in den arabischen Ländern ein Exportschlager. Würde eine der Münchner Unis ein Denkmal für Paulaner Spezi errichten?
Dany war ein toller Guide, der uns viele interessante Geschichten erzählten konnte.
Auch zu dem Bombenanschlag der IRA im Juni 1996. Gegen Mittag explodierten 1.500 kg Sprengstoff in der Innenstadt. Durch die Warnung wurde niemand getötet, aber viele Gebäude wurden zerstört.
Heute sagen die Einwohner scheinbar, es war das beste was Manchester passieren konnte. Ein hässlicher Fleck wurde neu gestaltet. Dafür wurden auch alte Gebäude einfach verschoben.
Beim Essen sind wir mal wieder im asiatischen Raum gelandet
Das Refuge soll eine der angesagtesten Bars der Stadt sein – bei uns am Abend waren die Leute überschaubar
Und überschaubar fanden wir auch die Größe unserer Cocktails – was man vom Preis nicht sagen konnte
Unser Fazit: Manchester lohnt sich und sollte in jede Englandreise integriert werden.
Auf zum nächsten Weltkulturerbe – Bath wurde 1987 dazu ernannt.
Die Pulteney Bridge soll der Ponte Vecchio in Venedig nachempfunden sein und wurde um 1770 erbaut. William und Frances Pulteney hatten sie in Auftrag gegeben, weil es die einzige Möglichkeit war, von ihrem Anwesen in Bathwick ohne Fähre nach Bath zu kommen.
Ist man auf der Brücke unterwegs, dann kann erscheint sie wie eine normale Strasse
Bekannt ist Bath vor allem durch seine heißen Quellen und Thermalbäder. Die historischen Bäder wurden verbunden mit einem topmodernen Rooftop Außenpool mit Blick auf die Stadt.
Wir haben an einer von Bewohnern aus Bath organisierten Stadtführung teilgenommen und viele Geschichten gehört, die nicht im Reiseführer stehen.
Zum Beispiel wie die Entsorgung der Toiletten stattgefunden hat zu einer Zeit in der die Häuser noch nicht an die Kanalisation angeschlossen waren.
Oder welche Fernsehserien hier in Bath gedreht wurden, zum Beispiel einige Szenen aus der Netflix-Serie „Bridgerton „.
oder was es Beau Nash auf sich hatte, der angeblich einer der größten Dandys seiner Zeit gewesen sein soll. Seinen Lebensunterhalt soll er mit Glückspiel finanziert haben, wir haben allerdings kein Spielcasino gesehen.
Einzigartig ist auch das Häuserensemble am Royal Crescent. Entworfen von John Wood und fertiggestellt von John Wood, Junior, gilt es als das größte zusammenhängende palladianische Architekturensemble der Welt.
Eigentlich war es Pflicht, alle Türen weiß zu streichen. Aber es gibt hier ein gelbe Tür, die von einer englischen Lady mit Charme durchgesetzt wurde. Nach einen Besuch des zuständigen Beamten, ließ er verlautbaren, dass das Gelb nicht sooo gelb sei und daher als weiß durchging. Findet ihr die gelbe Tür?
Diese strengen Vorgaben galten übrigens nur für die Vorderseiten von Gebäuden. Unser Guide meinte, dass sich auf den Gebäuderückseiten die Architekturstudenten verwirklichen durften. Dort sieht man die verschiedensten Fensterfronten und runde und eckige Fronten
Auch ein interessantes Detail war der Metallkegel zum Löschen der Kerzen nachdem die Herrschaft nach Hause geleitet wurde.
Die Gebäude haben zwei Geschosse unterhalb der Gehwegebene und mit dem Flaschenzug konnten Waren bequemer rauf und runter bewegt werden.
Die Besichtigung der Kathedrale von Bath wurde durch fahrlässiges Zeitmanagement verhindert, der Besuch des vornehmen „Pump Room“ auf eine Tasse Tee mit einem kleinen Scone und einem Klecks Clotted Cream scheiterte an der zwangsverordneten Teilnahme am Jane Austen Afternoon Tea für 89 Pfund für zwei Pesonen. Für diesen stolzen Preis erhält man als Gegenleistung auf einer Etagere nett angerichtete Kleinigkeiten, die insgesamt mit 2050 kcal pro Person beziffert werden. Wir haben uns daher mit einer Tasse Tee in einem kleinen Coffeeshop begnügt.
Das eingesparte Geld könnte man alternativ in individuelle Strassenlyrik investieren.
Oder aber so wie wir in ein vergleichsweise schlichtes Menu der geschätzten asiatischen Küche.
Die Markthalle von Bath haben wir zufällig gefunden und hatten kurz gehofft, hier gutes Gemüse und andere Leckereien zu finden
es gab aber leider nur gebrauchte Bücher und Ledergürtel
Schon wieder eine Kathedrale, diesmal in Winchester, und wir finden sie genauso prächtig wie in Chichester.
Der Chorraum gehört zu den ältesten in England und ist überwiegend im Originalzustand erhalten.
Wir wurden kurz nach dem Eintreten in die Kirche von Volunteers angesprochen, die unsere Fragen gerne beantworten und viel über die Kirchengeschichte erzählen konnten.
Oder mir einfach das Grab von Jane Austen zeigten. Sie ist hier neben einigen anderen weltlichen und geistlichen Personen begraben.
Diese Tauchermaske gehörte William Walker, der die Kathedrale ab 1906 vor dem Einsturz bewahrte indem er das Fundament in jahrelangen Tauchgängen mit Zement stabilisierte. Auch er liegt in der Kathedrale begraben.
Nein, die Figur schaut nicht auf ihr Smartphone, sondern sieht gedankenverloren in ihre mir Wasser gefüllten Hände. Antony Gormley hat diese Statue geschaffen, die seit Ende der 1980er Jahre in der Krypta steht. Die Krypta steht bis heute noch regelmäßig bis in Kniehöhe unter Wasser.
Neben Krypta und Schatzkammer hat mich auch die Bibliothek begeistert, die sehr alten Büchern, viele vor 1850 gedruckt sowie 17 Inkunabeln im Bestand hat. Dort stehen auch zwei alte unfertige, mit Hand gezeichnete Globen (noch ohne Australien).
Zu Stonehenge gingen die Meinungen bei uns weit auseinander. Zwischen „Na ja – viel Eintrittsgeld (75 Pfund!) für wenig Steine“ und „beeindruckend was vor so langer Zeit möglich war“. Der Steinkreis ist so aufgebaut, dass die Sonne zur Sonnenwende exakt zwischen die zwei größten Steine auf- bzw. unterging.
Damit die Steine auch sicher aufeinander lagen, wurden in die stehenden Felsen Zapfen herausgearbeitet und in den liegenden Steinen die passenden Zwischenräume geschaffen. Und das ohne Maschinen, sondern in mühseliger Handarbeit.
Übernachtet haben wir auf einem Parkplatz neben einer kleinen Strasse, die öfters auch von Panzern befahren wird. Die Nacht war aber ruhig, ohne Kettenrasseln oder Friendly Fire.
Im Reiseführer steht: eine moderne Hafenstadt mit spektakulärem Wahrzeichen -dem Spinnaker Tower. Nur für Wohnmobile hat die Stadt wenig übrig. Keine offiziellen Stellplätze, bei möglichen Parkplätzen warnen frühere Nutzer häufig vor Aufbrüchen und Fahrraddiebstählen. Der einzige offenbar sichere Parkplatz war außerhalb der Stadt in Portsolent. Die neugebaute Hafenanlage müsste aber in Anbetracht der Yachten eher Port Solvent heißen.
Dafür war der Parkplatz gut bewacht und für die Nacht kostenlos. Zu dem etwas versoffen dreinblickenden Sir Alec bestehen nach unserer Kenntnis keine verwandtschaftlichen Beziehungen.
Der Radweg zum Hafen führt uns am Geburtshaus von Charles Dickens vorbei
Der Spinnaker Tower beeindruckt wahrscheinlich eher, wenn man mit der Fähre von der Isle of Wight kommt. An Land geht er im gigantischen Outletgelände unter.
Einen Besuch wert ist das Royal Navy Historic Dockyard und bei 50 Pfund Eintritt haben wir uns auch viel Zeit genommen die historischen Schiffe anzusehen.
Neben den historischen Docks liegt ein aktiver Flugzeugträger und die Mannschaft kam an diesem Nachmittag zum Dienst.
Ganz besonders beeindruckend war die HMS Victory (HMS – His Majesty’s Ship).
Aber zuerst gabs einen Kaffee
Die HMS Victory war das Kriegsschiff von Admiral Nelson bei der berühmten Schlacht von Trafalgar
Nelson standen standesgemäß auf dem Schiff ein Schlaf- und ein Wohnzimmer sowie zwei Toiletten zur Verfügung. Da der Andrang dort groß war, hier stellvertretend die Zimmer von Kapitän Hardy.
Bei Bedarf wurden die Geschütze im Schlafzimmer vor die Fenster befördert und dort fixiert.
Die pharmakologischen Möglichkeiten der Schiffsapotheke waren limitiert.
Auch das chirurgische Besteck ähnelte abgesehen von den Größenverhältnissen stark dem Werkzeug der Zimmerleute. Bei körperstammnahen Wunden konnte im wesentlichen nur mit Verbänden abgedeckt werden und die Männer starben dann häufig schnell an Blutungen oder später an Wundinfektionen. Waren die Extremitäten betroffen, kam dann bei Amputationen das miniaturisierte Zimmermannsbesteck zum Einsatz – ohne Narkose, lediglich mit Schnaps konnten die Schmerzen gelindert werden.
Während der Schlacht bei Trafalgar wurde auch Lord Nelson schwer verletzt und starb wenige Stunden später an seiner Verletzung.
Die Victory verfügte über mehr als 100 Kanonen, die auf mehrere Decks verteilt waren.
Die Küche befindet sich sehr zentral und die Töpfe gleichen kleinen Fässern.
Neben der HMS Victory kann man noch die HMS Warrior, ein weiteres Kriegsschiff besuchen.
Abendessen gab es in Portsolent und dann ging unsere Route so weiter
Die Überfahrt von Calais nach Dover war problemlos und schnell. Und dann mussten wir uns erstmal an den Linksverkehr gewöhnen.
Wir fuhren bis Rye und fanden einen Stellplatz für die Nacht auf einem Autowaschplatz. Hier werden die Autos noch von Hand gewaschen und der Rest des Platzes wird als Park- bzw. Stellplatz vermietet. Das war in Rye die einzige Möglichkeit über die Nacht zu stehen, ja um überhaupt mit einem Reisemobil auch nur anzuhalten.
Im Mittelalter war Rye eine bedeutende Hafenstadt in Südengland, dann versandete der Hafen und das Städtchen wurde vergessen. Heute kommen viele Touristen wegen der gut erhaltenen denkmalgeschützten Häuserzeilen.
Besonders schön ist die gepflasterte Mermaid Street
Heute fand ein Spielenachmittag statt, es ging um den besten beim Boulespielen
Englische Küche – wir waren vorbereitet und dann doch positiv überrascht von unserem ersten Restaurantbesuch. Das Essen war ausgesprochen gut und lässt uns auf weitere positive Erlebnisse hoffen.
Über die Osterfeiertage herrscht auf den englischen Campingplätzen Hochbetrieb und so mussten wir im Vorfeld drei Nächte vorbuchen – auf einem Campsite an der Küste.
Auf dem Weg lernten wir die kleinen Straßen und ihre schlechte Beschaffenheit kennen. Unser Besteck tanzte in der Schublade und wir kamen nur langsam voran.
Als Zwischenstopp bot sich Bodiam Castle an. Die Burg wurde 1385 erbaut und die Außenmauern und Türme sind noch gut erhalten.
Eine klassische Burg mit Wassergraben, Wehrgängen und Türmen.
Viele Familien waren unterwegs und überall gab es Hasenohren, die man sich aufsetzen konnte. Im Inneren der Burg gab es die Möglichkeit sich als Ritter zu verkleiden oder sein Glück im Ringe werfen zu versuchen.
Am nächsten Nachmittag dann der erste Kontakt mit dem Meer. Morgens hatten wir typisches englisches Wetter mit Regen und Kälte, dann kam die Sonne hervor und alle waren unterwegs.
In West-Wittering gibt es lange Strände, in East-Wittering ausser zwei kleinen Supermärkten mit welkem Gemüse nicht viel Sehenswertes.
Aber immerhin konnten wir hier Mikes Bestellung (HP-Sauce und Marmite) erwerben.
Den öffentlichen Nahverkehr probierten wir am Ostersonntag aus und fuhren nach Chichester.
Wir hatten die Gelegenheit am Evensong in der Chichester Cathedral teilzunehmen. Wir saßen auf hölzernen Kirchenstühlen, die von 1330 stammten und genossen den wunderbaren und bekannten Kirchenchor von Chichester.
Eine sehr beeindruckende Erfahrung wie viel ungezwungener die Engländer mit ihrem Gottesdienst umgehen.
Die Tapisserie des Shrine of St. Richard stammt von der deutschen Künstlerin Ursula Benker-Schirmer und wurde 1985 aufgehängt.
Das Kirchenfenster „David“ soll Psalm 150 darstellen und wurde 1978 angebracht, es ist auch bekannt als Chagall-Fenster
Auch ein Spaziergang durch die Stadt bietet interessante Eindrücke
Lord Nelson, der tagische Held der Schlacht von Trafalgar, würde uns in Kürze nochmals begegnen.
Wer über die Qualität des Internets in Deutschland meckert war wahrscheinlich noch nicht in England. Die Schwankungen sind enorm und oft gibt es einfach überhaupt keinen Empfang.
Aber die Landschaft ist wunderschön und die Engländer:innen sind sehr freundlich, entspannt und hilfsbereit. Wir freuen uns auf die Weiterreise.
Endlich ist alles vorbereitet, die Pflege der Pflanzen in treue Hände gegeben und alle wichtigen Dinge zu Hause erledigt. Jetzt können die nächsten vier Monate im Kärrele beginnen.
Den Kaiserstuhl kennen wir bisher nur indirekt über das eine oder andere Weingut, jetzt bietet sich die Gelegenheit die Gegend zu erkunden. Das Wetter spielt mit und wir genießen ein erstes Glas Wein in der Vinothek vom Weingut Abril. Leider sind die Stellplätze bereits vergeben, so dass wir auf den Gemeindestellplatz beim Freibad ausweichen.
Die nächsten 2 Nächte stehen wir auf dem Weingut Schätzle in Vogtsberg. Ein guter Ausgangspunkt für Rad- und Wandertouren.
In Oberbergen ist das legendäre Weingut Franz Keller mit seinen Restaurants und der Weinhandlung ansässig. Zum Glück für unsere Reisekasse war das Sternelokal geschlossen und so genießen wir im Winzerhaus Rebstock solide badische Wirtshauskost mit einem reifen Pinot noir des Weinguts. Der Hausherr Fritz Keller, ehemaliger DFB-Präsident mit etwas eigenwilliger Amtsführung, war stets kommentierend anwesend und half nach Kräften die Flaschen zu leeren.
Übers Wochenende sind wir in Freiburg. Diese Stadt gefällt uns so gut. Ich freue mich jedes Mal dorthinzukommen. Hier zeigt sich mal wieder, wie einfach und entspannt man mit dem Fahrrad unterwegs sein kann, wenn es entsprechend breite Radwege oder Fahrradstrassen gibt. Da muss München noch einiges dazulernen.
Kein Aufenthalt in Freiburg ohne Besuch in der Markthalle, einem Foodcourt mit zahlreichen internationalen Essensständen.
Dann geht es Richtung England mit einer Übernachtung in Luxemburg. Ein schöner Campingplatz direkt an der Sauer gelegen.
Mautfrei nach England bedeutet über Belgien zu fahren. Aber wo übernachten? Es ist gar nicht einfach einen Stellplatz zu finden und so wird aus Brüssel Brügge, was mit Sicherheit keine schlechte Wahl war.
Die historische Altstadt von Brügge gehört zum Unesco Weltkulturerbe und ist wunderschön.
Nur bei den angeblich besten Fritten in ganz Belgien sind wir definitiv anderer Meinung.
Es gibt aber auch Alternativen
Gestärkt besichten wir die Heilig-Blut-Basilika. Die Reliquie des heiligen Bluts soll angeblich von Kreuzfahrern nach Brügge gebracht worden sein und wird seither hier aufbewahrt.
Mag das Blut auch alt sein, der Opferstock ist hochmodern und bietet bargeldlose Spendemöglichkeit.
Nach nur zwei Stunden Fahrt sind wir am Fährhafen in Calais
und genießen zu belgischem Bier einen schönen letzten Sonnenuntergang in Frankreich
eine Flucht aus Deutschland von Rüdiger von Fritsch
Da ich im Remstal aufgewachsen und nur ein paar Jahre jünger als der Autor bin, hat mir das Buch sehr gut gefallen. Der Zeitgeist damals wird gut eingefangen und ich habe mich an Dinge erinnert, die damals zum Alltag gehörten. Das Leben in Familien, die Verwandte in der DDR hatten, wird gut beschrieben und auch die Vorbereitung und die eigentliche Fluchtgeschichte sind wirklich unglaublich, wie naiv die Freunde damals an das Vorhaben herangegangen sind und wie knapp sie Gefängnis oder Tod entkommen sind, wird zum Schluss ganz deutlich. Ich empfehle das Buch besonders für meine Altersgruppe oder geschichtsinteressierte aller Altersgruppen.
Ich kann auch Heinrich August Winkler sprechen lassen: »Ich habe selten ein Buch gelesen, dem es so gut wie diesem gelingt, einen Einzelfall, der für sich alleine schon aufregend genug ist, in ein großes historisches Panorama einzufügen.«