Auf den Spuren der Vorfahren
Jelenia Gora, ehemals Hirschberg, liegt in der Nähe des Geburtsorts der Mutter des Fotografen. Es ist heute eine hübsche Kleinstadt mit gut restaurierten Häusern, Pubs und Restaurants.
Das lokale Bier ist auch in der alkoholfreien Variante sehr zu empfehlen.




Eigentlich hatte der Fotograf ja versprochen der Urinalfotografie abzuschwören und er war seit Irland auch absolut abstinent, aber gleich in Hirschberg wurde er in Anbetracht der reizenden Dekoration rückfällig. Nun verspricht er mal wieder, auf weitere Dokumentation derartiger Geschmacksverirrungen zu verzichten.


Der Auto Camping Park Jelenia Gora liegt am Stadtrand und in zehn Minuten ist man in der Altstadt


Unterwegs kann man sich zu der Dame an den Tisch setzen, allerdings fällt die Unterhaltung einseitig aus.
Weiter führt uns der Weg an den Rand des Riesengebirges. Dort steht eine norwegische Stabkirche, die Kaiser Friedrich Wilhelm IV. dort abbauen und nach Schlesien transportieren ließ. Die Kirche besteht komplett aus Kiefernholz und wurde ohne Verwendung von Nägeln zusammengebaut.


Die Pfeiler sind komplett mit Schnitzereien verziert und um den inneren Kirchenraum führt ein hölzerner Meditationsgang, der das Innere der Kirche vor Kälte schützen soll.


Unser Stellplatz mit Blick zur Schneekoppe befindet sich bei Sosnówka und gehört dem Besitzer des Restaurants Zloty Widok, einem Engländer. Daher gibt es hier auch Fish and Chips.

Von Schömberg kommend nähern wir uns dem ehemaligen Erlendorf und dem Gut des Großvaters. Unsere Internetrecherche hat sogar ein Bild aus alten Zeiten hervorgebracht.

Zwei Gebäude stehen noch heute, allerdings betreiben die Bewohner keine Landwirtschaft mehr.

Und auch das Schulhaus gibt es noch, nur wenige Schritte vom Hof entfernt. Nun erschließt sich auch, warum in Erzählungen oft die Rede davon war, dass das Fräulein Haupt, die Klassenlehrerin der Kinder, angeblich zufällig, aber immer zur Abendbrotzeit vorbeikam und dann eingeladen wurde mit der Familie zu essen. Sehr zum Leidwesen der Schulkinder.


Nur wenige Kilometer weiter in Kamienna Góra steht das Kloster Grüssau mit der Klosterkirche Mariä Himmelfahrt und der Josefskirche. Die Klosteranlage gehört zu den am besten erhaltenen Klosteranlagen in Schlesien. Besonders berühmt sind die Kirchen für ihre Fresken und aufwändigen Decken- und Wandmalereien und die aus dem 18. Jahrhundert stammende Orgel.





Die dunklen Seiten des Klosters kamen in der Zeit des Nationalsozialismus. Das Kloster wurde zum Lager, in dem ab den 1940er Jahren Juden interniert und dann oftmals nach Theresienstadt deportiert wurden.
Unser nächster Halt ist Breslau. Der Stellplatz liegt am Stadtrand, Camp Wroc, wenige Minuten von einer Tramhaltestelle entfernt und in unserem Alter ist der öffentliche Nahverkehr kostenlos nutzbar.
Leider hat das Wetter nicht mitgespielt. Nur am ersten Abend konnten wir noch das sonnige Breslau erahnen, dann wurde es empfindlich kalt und ich war dankbar für lange wärmende Unterwäsche, Regenjacke und Regenschirm.

Wer glaubt, dass Breslau Glück hatte und im Zweiten Weltkrieg nicht zerstört wurde, liegt falsch. Die Altstadt war komplett zerstört, aber die Fassaden und Häuser wurden nach dem Krieg so originalgetreu wie möglich wieder aufgebaut.






Das Rathaus wird heute als Museum genutzt und im Keller und auf der Freischankfläche befindet sich der Schweidnitzer Keller, eines der ältesten Gasthäuser Europas. Nach unseren Erfahrungen in Dresden ließen wir diese touristische Institution wohlweislich links liegen.


Für den ersten Abend hat Michael mal wieder einen interessanten Restauranttipp ausgegraben und so suchten wir auf einem alten Fabrikgelände das Nafta Neo Bistro.




Gefunden haben wir das Restaurant im dritten Hinterhof, in einem Gebäude mit hohen Backsteinwänden, in das die bestehenden Bäume einfach integriert wurden.


Das Restaurant bietet eine moderne Version der polnischen Küche, eine interessante Weinauswahl und das Ganze zu moderaten Preisen.



Schwieriger als die passende Speisenauswahl war es hier, die richtige geschlechtsspezifische Tür zu finden.




Aus einer Oppositionsbewegung in den 80er Jahren mit Demonstrationen in Zwergenkostümen, hat sich eine ganze Zwergensubkultur auf Knöchelhöhe in der Stadt entwickelt. So muss am Acht geben, dass man nicht über kauernde Touristinnen stolpert.


Mittlerweile sollen sich über 1.000 Zwerge in der Breslauer Innenstadt befinden.




Nach der verregneten Stadtführung gab es ein Mittagessen in der Markthalle.


Die Portionen sind reichhaltig und deftig und reichen mancher Frau den ganzen Tag.





Es gibt hier sogar einen Ableger der Strumpftante!


Am Wochenende fand das erste von fünf Foodfestivals am Fluss statt. Das war genau das richtige für uns.



Stände mit internationalen Speisen von deftigen Fleischstücken bis zur Zuckerwatte war alles vorhanden.




Beim polnischen Wein war allerdings noch Luft nach oben.


Hier Okonomiyaki: eine Art japanische Pfannkuchen mit Bonitoflocken


Links eine besondere Spezialtät: geröstete Markknochen, rechts Raclette


Bei schönem Wetter lohnt sich ein Besuch auf jeden Fall, deshalb hier die nächsten Termine.




Gut gestärkt sind wir dann noch zur Neon Side Gallerie, in der zeitgenössische Künstler:innen ausstellen und an deren Fassade historische Neonlichter aus kommunistischer Zeit hängen.






Viele davon wurde damals vor Ort von der Firma Reklama produziert. Heute ist der Hinterhof ein beliebter Treffpunkt.







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