Wir entscheiden uns gegen einen Besuch in Stockholm, sondern machen uns auf den Weg nach Göteborg.
Interessant ist die Abfallwirtschaft und auch das Zustellfahrzeug der schwedischen Post. Hier sitzt der Fahrer auf der rechten Seite, so kann der die Briefe aus dem Fenster direkt in den Briefkasten werfen, muss nicht aussteigen und ist geschützt vor (nicht vorhandenen) kläffenden Hunden. Dass er dazu auf dem Gehweg fahren muss, stört offenbar niemanden.
Scheinbar betrachtet man in ganz Skandinavien Berlin als Ursprung und Mekka für Döner in all seinen Erscheinungsformen.
Wir lassen lieber uns das typisch schwedische Essen (Schnitzel und Köttbullar) schmecken,
bevor wir am nächsten Abend die moderne schwedische Küche genießen.
Unser Rundgang durch Göteborg bringt uns in die Markthalle (rechts das Restaurant Tavolo)
und ins Kulturzentrum der Stadt, wo sich Kino, Theater, Museum und Konzerthalle an einem Platz versammeln.
Und noch einmal muss der Fotograf mit Kamera in die Toilettenkabine verschwinden, denn einen Doppelsitzer haben wir noch nicht gesehen.
Am nächsten Abend fahren wir mit der Fähre nach Dänemark
wandern zur höchsten Düne Dänemarks
und fahren mit dem Fahrrad am Strand entlang. Andere nutzen die Möglichkeit mit Auto oder Wohnmobil bis ganz nah an das Wasser zu fahren, allerdings muss dabei die Geschwindigkeitsbegrenzung zwingend eingehalten werden. Sieht man hier Womofahrer in reifennähe hektisch im Sand buddeln geht es selten um Sandburgenbau, sondern meist um die Folgen einer Überschätzung der Off-Road-Fähigkeiten des Gefährts.
Am Eis wirst du es erkennen: links Dänemark und rechts Deutschland
Bis in die Lüneburger Heide müssen wir fahren, bis wir einen freien Platz auf einem Campingplatz finden
Ganz Niedersachsen ist im Wahlkampf und bei unserem Spaziergang über den Marktplatz von Soltau, treffen wir auf Stände aller Parteien. Am meisten Andrang herrscht am AfD Stand.
Ob sich die FDP mit ihren Parolen einen Gefallen tut?
Den Stopp in Verden haben wir nur wegen des interessanten Restaurant eingelegt.
Wohingegen wir den Stopp in der Pfalz weniger wegen des Essens als wegen des Weinguts bei Kallstadt eingeplant haben. Aber die Pfalz ohne Saumagen – no way!
Aber die Pfalz ohne Saumagen – no way! Zumindest für einen von uns.
Fast zu Hause besuchen wir mit Freunden noch das Museum Würth in Künzelsau
Und dann gibt es keinen Grund mehr die Ankunft hinauszuzögern. Nach vier Monaten sind wir wieder in München.
Der Grenzübertritt nach Schweden ist unspektakulär und erfolgt ohne Grenzeinrichtungen. Die erste Nacht verbringen wir direkt an der Grenze auf einem Campingplatz, der von Schweizern betrieben wird. Es sollte nicht der letzte sein, scheinbar genießen viele Schweitzer das entspannte Leben in Schweden und kümmern sich um deutschsprachige Touristen.
Interessant wird es am nächsten Tag, als wir in ein historisches Kirchendorf fahren. Dabei handelt es sich um eine Ansammlung von kleinen Häusern um eine Kirche herum. Da die Entfernung zur Kirche oft sehr weit war, übernachteten die Gläubigen an den Wochenenden in den kleinen Häusern. Man ging in den Gottesdienst und dann traf man sich mit Freunden und ließ es krachen.
Heute gehört Gammelstad zum Weltkulturerbe, aber man trifft sich hier auch aus anderen historischen Gründen. Hier ein „Rettungsvolvo“ mit dem originalen medizinischen Equipment aus den 60er Jahren, abgesehen von den Bierdosen natürlich.
Unser nächster Übernachtungsplatz wird wieder von einem schweizer Pärchen betrieben. Sie haben sich vor einem Jahr in Schweden niedergelassen und bieten im Winter Fahrten mit dem Hundeschlitten oder dem Schneescooter an. Für uns haben sie abends am offenen Feuer im Tippi Lachs und Elch-Burger zubereitet.
Alles ist selbst zusammengezimmert, auch der Badesteg am See.
Am nächsten Tag fahren wir nach Vilhelmina, wo wir unsere Vorräte auffüllen und andere Campererfordernisse erledigen, bevor wir zum Vildmarksvägen, einer 500 km lange Straße durch die Berge von schwedisch Lappland, aufbrechen.
Los gehts zur ersten Wassertreppe in Marsfjäll. Dort finden wir auch einen schönen Übernachtungsplatz, den wir nur mit einem anderen Camper teilen.
Entlang der Route gibt es ein Kirchdorf der Samen. Sie trafen sich früher hier zum Frühjahrs- und Herbstfest, da im Kalfjälletgebirge ihre Sommerplätze lagen.
Klimpfjäll gilt als kleines Zentrum der Samen und ist nur noch 20 Kilometer von der norwegischen Grenze entfernt. Im Internet hatten wir von einem Café gelesen und das haben wir dann besucht. Es erinnert an eine Almhütte und die Inneneinrichtung hätten auch unsere Großmütter gestalten können.
Zur Auswahl gab es lauwarme Softdrinks und Filterkaffee aus großen Thermoskannen und zweierlei Kuchen, beide brachten uns in die Nähe eines Zuckerschocks.
Der höchste Punkt auf dem Vildmarksvägen ist das Stekenjokk. Es liegt auf 876m hoch und alle Womofahrer möchten hier eine Nacht verbringen. Auch Temperaturen von 6 Grad im Juli haben uns nicht abgeschreckt, dort oben zu übernachten.
Das Stekenjokk ist nur wenige Monate im Jahr befahrbar, daher drängen sich in den Sommermonaten die Wohnmobile auf dem großen Parkplatz.
Im weiteren Verlauf der Strecke folgen wir dem Hinweisschild zum Hällingsafallet. Bevor wir den Wasserfall erreichen, müssen wir ungefähr 30 km auf einer Schotterpiste zurücklegen.
Der Fluss hat einen beeindruckenden, bis zu 50 Meter tiefen Canyon hervorgebracht.
Die Straße führt an vielen Seen vorbei oder über Brücken darüber bis nach Strömsund. Wieder ein kleines Städtchen dass zum Einkaufen und Tanken taugt und sich ansonsten der verbreiteten kulinarischen Trias „Burger, Pizza, Döner“ verschrieben hat. Wir setzen also unsere mehrwöchige Restaurantkarenz fort.
Wir verbringen zwei sonnige Tage im Seeglück. Wieder landen wir bei Schweizern, die sich hier eine Halbinsel gekauft haben und nun Ferienwohnungen und Stellplätze anbieten. Und zum ersten Mal nach vielen Wochen sehen wir wieder einen Mond aufgehen.
Auf Höhe von Stockholm besuchen wir natürlich Schloss Gripsholm
Die dort untergebrachte Porträtsammlung gehört zu den größten weltweit und zeigt nicht nur die aktuelle Königsfamilie
Saa-uu-na: Sauna in Finnland hat nichts mit der finnischen Sauna bei uns zu tun. Auf den Campingplätzen ist die Sauna oft das größte Gebäude, denn neben der Hitzestube, gibt es auch einen Aufenthaltsraum und manchmal sogar eine Küche. In öffentliche Saunen geht man in Finnland nur mit Badebekleidung.
Der eigentliche Saunagang beginnt mit einem Aufguss und der wird alle paar Minuten wiederholt. Mit einer lässigen Handbewegung schleudert der Finne aus einem halben Meter Entfernung (tatsächlich waren es die Männer) mindestens zwei Kellen Wasser zielsicher auf die heißen Steine, dass es nur so spritzt und dampft. Es wird den Saunanovizen dann versichert, dass der Schmerz nach zehn Sekunden wieder nachlässt und tatsächlich kommt man ohne Blasenbildung der Haut wieder aus den Räumlichkeiten. Früher oder später, je nach Schmerztoleranz und Ausdauer, springt man dann in einen der 187 888 Seen. Von Sanitärkundigen installierte Brausen und Becken gelten als Notlösung, allenfalls Wälzen im Schnee wird bei zugefrorenen Seen akzeptiert. Zwischen den Saunagängen herumzuliegen ist was für Weicheier (und Touristen), die Finnen gehen schnurstracks zurück in die Hitze und kasteien sich weiter, Selbstgeißelungen mit Birkenzweigen haben wir aber nicht gesehen.
Ein weiteres Saunaphänomen: die sehr schweigsamen und grußunwilligen Finnen kommen jenseits der 70° C in Plapperlaune und mit roten Bäckchen und glänzenden Augen unterhalten sie sich in ihrer für Außenstehende völlig unverständlichen Landessprache, nur unterbrochen von kehligem Gelächter. Ab 80° C werden dann auch ausländische Gäste in die Konversation einbezogen und selbst die Kleinsten probieren schüchtern ihre Englischkenntnisse aus.
Auch interessant: in keinem anderen Land grüßen die Womobesatzungen auf der Straße einander derart konsequent. Das kann auf der Hauptroute zum Nordkap durchaus anstrengend sein und die Beifahrerinnen werden in die Grußzeremonie zwingend einbezogen. Den Gedanken zwei chinesische Winkekatzen zu installieren um den eigenen Winkearm zu entlasten, haben wir aber nicht weiterverfolgt.
Die finnischen Wälder könnten auch Blaubeerwälder heißen, denn der Boden ist übersät mit Heidelbeersträuchern, Preiselbeersträuchern und wer Glück hat findet Walderdbeeren.
Hier findet sich tatsächlich noch das wahre Superfood: Heidelbeeren wie zu Kinderzeiten, die Finger und Zunge blau färben. Allerdings kommen im Alter dann die Rückenbeschwerden hinzu – und hier in Finnland die Steckmücken.
Die Finnen haben entsprechende Erntewerkzeuge entwickelt, mit denen man die Ausbeute drastisch erhöhen kann. Altersgerecht angepasst gibt es Nilpferde für Kinder, Schaufeln für Erwachsene, im Alter dann mit einer Verlängerung für rückenfreundliche Erntebedingungen
Eine Frucht, die wir bisher nur in Finnland und Schweden entdeckt haben ist die Moltebeere. In unreifen Zustand ist sie dunkelrot, genießbar wird sie ab einem hellorangenen Teint. Geschmacklich erinnerte uns die Beere an gekochtes Obst, manche sagen auch Waldboden.
Der Wald bietet auch Pfifferlinge, die wir allerdings an Straßenständen erworben haben.
Das Jedermannsrecht gilt auch in Finnland und wir haben einige traumhafte Plätze gefunden.
Die Campingplätze sind gut ausgestattet mit Feuerstelle, genügend Holzvorräten
und hier sogar mit Sportgeräten und Booten
Der erste Kontakt mit dem SUP war etwas wackelig, aber die alternative Standposition hat ein Fortkommen ermöglicht.
Einfacher war es in den Nationalparks vorwärts zu kommen und bei unserer ersten Wanderung sogar in einem rasanten Tempo. Denn gegen Abend waren die Stechmücken besonders aggressiv, so dass ein Stehenbleiben nicht möglich war und wir die angezeigte Dauer um einiges unterboten haben.
Auf Koli hatten wir einen grandiosen Blick auf die finnische Seenplatte
Der Wanderer wird nicht nur über die entspannten Geburtsumstände von Frau Bär gründlich informiert, sondern auch mögliche direkte Bärenkontakte im Oulanka Nationalpark werden thematisiert (nicht in die Augen schauen, nicht wegrennen). Diese Begegnungen sind aber unwahrscheinlich, Bären sind sehr scheu.
Die Begegnungen mit auf Straßen herumlungernden Rentieren sind dagegen unvermeidlich und das Kollisionsrisiko ist nicht unerheblich. Das Aufeinandertreffen mit Rentieren in der Tiefkühltruhe ist dagegen unproblematisch.
Tatsächlich waren wir nur in Städten um einzukaufen und aufzutanken
über die Trödelmärkte zu spazieren und Leute zu gucken
Direkt neben der Straße Richtung Norden stoßen wir auf eine ganze Ansammlung von Personen
Und dann haben wir ihn erreicht: den nördlichsten Punkt unserer Reise – den Arctic Circle, der überraschender Weise mit der Heimat von Santa Claus übereinstimmt.
Hier können Kinder und Erwachsene das ganze Jahr mit ihm über ihre Weihnachtswünsche sprechen. Die kostenlose Audienz findet täglich statt und tatsächlich gab es auch im Juli eine Warteschlange. Fotos mit Santa Claus sind allerdings immer kostenpflichtig. Wir haben auf beides verzichtet und uns im Weihnachtsshop umgesehen, aber trotz interessanter Kopfbedeckungen auch hier von Käufen Abstand gehalten.
Mal wieder auf einer Fähre bei trockenem Wetter, so dass die Nordländer die Fahrt auf dem Außendeck genießen können, während wir einen Platz im wärmeren Innenraum bevorzugen.
Damit es niemandem langweilig wird, bietet die Fähre Spielplätze für alt und jung
Der Campingplatz von Helsinki hatte erst am nächsten Tag einen Platz für uns frei und so fahren wir zuerst nach Porvoo. Die zweitälteste Stadt Finnlands hat eine kleine Fußgängerzone mit bunten Holzhäusern, die heute hauptsächlich Souvenirshop beherbergen.
Am Fluß wird ein Selbstbedienungsautomat für Kaykaks getestet. Leider waren die Temperaturen nicht für Wassersport geeignet, deshalb waren wir nur auf einem festvertäutem Schiff am Fluss und haben uns mit den Getränkepreisen in Finnland vertraut gemacht. Dieses Vergnügen werden wir wohl in nächster Zeit nicht oft wiederholen.
Am nächsten Mittag fahren wir dann zum Campingplatz Rastila, der sogar einen kleinen Strand und auch eine Joggingstrecke bietet.
Wir allerdings fahren mit der S-Bahn in die Innenstadt und können am Abend eine Stadtführung mitmachen.
Die Kathedrale am Senatsplatz hat die Besonderheit, dass der Glockenturm ausgelagert wurde und in einem eigenen Gebäude linkerhand untergebracht ist.
In Helsinki sind die Wohnblöcke mit Tieren gekennzeichnet, dabei spielt es keine Rolle, ob sie in Finnland oder in Afrika vorkommen. Viele Schilder, Infotafeln und auch die Straßennamen werden grundsätzlich auf finnisch und schwedisch angegeben, denn auch schwedisch ist hier Amtssprache.
Hinter den Speicherhäusern sieht man die russisch-orthodoxe Kirche, mit ihren 13 vergoldeten Kuppeln, die nahe des Hafens steht.
Sehr beeindruckend ist die öffentliche Bibliothek, in der nicht nur Bücher zu finden sind. Hier treffen sich die Menschen, um gemeinsam Schach zu spielen, zu nähen Musik zu hören oder Kaffee zu trinken.
Die Finnen sollen den höchsten Kaffeekonsum weltweit haben und trinken am liebsten Filterkaffee. Angeblich im Winter, damit sie wach werden und im Sommer, weil sie bei der Helligkeit sowieso nicht schlafen können und deshalb auf den Wachmacher zurückgreifen müssen.
Der Hauptbahnhof von Helsinki hat Elemente von Jugendstil und Neoklassizismus. Am Haupteingang stehen links und rechts Steinmänner, die alle einen Globus in der Hand halten. Diese Figuren haben es den Helsinkier besonders angetan: sie werden je nach Anlass entsprechend ausgestattet: sei es zu Halloween, Weihnachten, Corona oder dem Finale des ESC.
Auch die Haupthalle zeigt sich wie aus vergangenen Epochen
Im Architektur und Designmuseum gibt es eine Ausstellung zum Leben und Werk von Tove Jansson und ihren Moomins. Die Moomins sind uns dann in Finnland ständig über den Weg gelaufen.
Der andere Teil widmet sich der Architektur von Alvar, Aino und Elissa Aalto, sowie der dahinterstehenden Philosophie.
Gerne hätte ich das eine oder andere Souvenir mitgenommen, einzig die aufgerufenen Preise haben uns davon abgehalten.
Im Untergeschoss kommen Strick- und Häkelfreunde auf ihre Kosten und können sich mit der Künstlerin austauschen.
Allerdings erschienen mir die ausgestellten Stücke nur bedingt tragfähig.
Eine Bootstour durch Helsinki hat uns bewußt gemacht, dass diese Stadt aus unendlich vielen Inseln besteht und die Natur von allen Stellen aus nur wenige Kilomenter entfernt ist.
Die Markthalle bietet eine typisch finnische Essensauswahl von Zimtschnecke bis
Lachssuppe mit Roggenbrot.
Dank unser (nicht gerade günstigen) Helsinki City Card haben wir sehr viele Museen besucht. Im Foto- bzw. Filmmuseum werden Bilder der Werke finnischer Regisseure, vorneweg natürlich Aki Kaurismäki, gezeigt
Und auch die legendären Leningrad Cowboys dürfen nicht fehlen.
Das Theatermuseum und das Gastronomiemuseum konnten hingegen im Schnelldurchlauf erledigt werden.
Hier sehen wir die Zukunft von Essenslieferungen bei Wolt. Der kleine Kerl war ganz alleine unterwegs, meisterte Gehsteige und wartete am Zebrastreifen, bis der Wagen anhielt und er unbeschadet die Straßenseite wechseln konnte.
Ein Hotspot im Studentenviertel ist die Pizzeria Blondi.
Die Pizzastücke waren wirklich ausgesprochen gut und so ließen wir den authentischen Berliner Döner links liegen.
Die Felsenkathedrale bietet bei den heißen Temperaturen, die aktuell in Helsinki herrschen eine willkommene Gelegenheit sich abzukühlen
Ebenso wie das Kunstmuseum HAM mit der Gegenüberstellung der Bilder von Mauno Markkula (1905-1959, links) und Petri Ala-Maunus (geb. 1970, rechts).
Hier die „Abakans“ von Magdalena Abakanowicz, einer polnischen Textilkünstlerin
Die „Crowd“ von M. Abakanowicz gibt uns einen Vorgeschmack auf das stille Volk zwischen Suomussalmi und Kuusamo in Nordfinnland
Neben Cappuccino mit trockener Zimtschnecke im Traditionscafé Ekberg, haben wir abends ein typisch finnisches Buffet ausprobiert. Der Schwerpunkt lag bei mariniertem Fisch, vor allem Hering und als Hauptgang Geschmortes vom Rentier und Elch, gern kombiniert mit Kartoffeligem in allen Texturen. So kocht wohl die finnische Mutti und was Mütter machen, kann nicht falsch sein.
Helsinki gefällt uns sehr gut und wir könnten noch viel länger bleiben, um alles zu erkunden und genießen. Aber nach drei Tagen verlassen wir die Stadt, denn jetzt wollen wir die Natur Finnlands sehen.
Wir entschließen uns zu einem Abstecher nach Tartu und fahren deshalb nach Südosten. Tartu hat die älteste Universität Estlands und Studenten prägen auch das Stadtbild, es gibt viele Cafés und jede Menge Shoppingmalls.
Unser Stellplatz ist direkt am Fluss und neben dem Markt, auf dem wir große Mengen Erdbeeren und Pfifferlinge kaufen.
Und auch Hausarbeit muss mal wieder sein
Eigentlich wollen wir nur eine Nacht bleiben, aber dann passiert es auf dem Weg raus aus der Stadt: beim Passieren einer Baustelle an einem Brückenpfeiler gibt es einen lauten Knall und die Seitenscheibe auf der Beifahrerseite zerspringt in tausend Teile, die sich im Innenraum und auf der Beifahrerin verteilen. Durch die Sandstrahlarbeiten hat sich ein Stein gelöst und wurde dann unter hohem Druck in unsere Scheibe geschleudert. Der Übeltäter an der Strahlpistole hat sich dann zum Abschied noch herzlich bedankt, dass er von uns nicht umgehend verprügelt wurde, das sei durchaus denkbar in so einer Situation, hat er uns versichert.
Der Mitarbeiter, seine Firma und Mercedes zeigten sich kooperativ: wir tauschten das Kärrele gegen einen blauen Passat und bezogen ein Hotel with a view (nämlich im vierten Stock mit Blick auf einen Whirlpool, der direkt vor unserem Fenster steht und meist mit rot- und kugelköpfigen Spabesuchern bestückt ist, die auch uns in unserem Zimmer bewundern können).
Die Zeit bis zur Rückkehr des Womos haben wir für einen weiteren Stadtspaziergang und eine Fahrt ins Umland genutzt
und abends ein ausgezeichnetes Restaurant aufgesucht, das auf Sterneniveau gekocht hat und das wir für das Beste auf unserer bisherigen Reise halten.
Nach zwei Tagen war die Scheibe repariert und wir können weiterfahren an die russische Grenze nach Narva.
Das Beeindruckendste an dieser Stadt sind die beiden Trutzburgen, die sich auf estnischer und russischer Seite gegenüberstehen. Im Burghof gibt es einen Stellplatz für Womos mit Blick zum Fluss und nach Russland.
Ansonsten wirkt die Stadt meist trostlos, doch mit überraschenden Einblicken
Hier der Grenzübergang nach Russland, eigentlich geschlossen, zumindest für den rollenden Verkehr. Fußgänger haben sich aber vor der Grenze eingefunden und standen in langer Reihe (manche auch ausgestattet mit Klappstühlen), um nach Russland einreisen zu dürfen.
Es ist mal wieder Zeit für einen Campingplatz am Meer und wir finden ihn Richtung Westen bei Liimala und bleiben drei Tage.
Hier sieht man den Fotografen bei der Arbeit und was daraus geworden ist
Jetzt heißt es Abschied nehmen vom Baltikum, wir verlassen Tallinn und sind schon nach guten zwei Stunden Fahrt mit der Fähre in Helsinki.
Die dritte baltische Hauptstadt erwartet uns mit einem Stellplatz direkt an der Stadtmauer und der besten Bäckerei seit München.
Abends gibt es im Traditonslokal typisches estisches Essen. Allerdings haben wir nicht verstanden, was die Trockenhaube am Gestühl soll.
Die Vorspeisenplatte hatten wir uns anders vorgestellt, aber die gefüllten Teigtaschen überzeugten uns.
In der Altstadt wohnen vor allem Touristen, wie man leicht an den vielen Schlüsseltresoren erkennt.
Wieso steht denn mitten in Tallinn ein verrosteter Kartoffelernter auf einer Wiese? Es ist der Protest des Besitzers, der einfach sagt, ich kann hier machen was ich will und nächstes Jahr pflanze ich Kartoffeln.
Es gibt für alles eine Statistik, so auch über den Genuss von Eis. Angeblich essen, verglichen mit den anderen europäischen Ländern, die Menschen hier am meisten Eis. Vor sechs Jahren lage er bei 12,5 kg und ist sicher heute noch höher.
Die Haltung gegenüber Russland und Putin zeigen die Einwohner eindeutig und für alle sichtbar.
Das Fotomuseum ist selbstverständlich ein Pflichttermin für den Fotografen
Links Alltag in Kiew, rechts eine Demonstration Belarus, in der Mitte zwei Kriminelle nach der Sauna.
Da der Reisebegleiter das Fotografiemuseum aus organisatorischen Gründen alleine besuchen musste, hat er für die Verfasserin dieses Blogs exklusiv zwei sorgsam kuratierte Bilder als Mitbringsel ausgesucht:
Auch im Kunstmuseum kann man sich einige Stunden aufhalten
Die Ausstellung Kunst im Zeitalter der KI ließ uns mit virtueller Brille ausgestattet durch den Raum fliegen und der Wunsch mich festzuhalten war durchaus realistisch.
Die bunten Bilder der zeigenössischen Künstlerin Kristi Kongi fanden beim Fotografen keinen Anklang, so dass die beiden folgenden Abbildungen dem normalerweise hohem Standard der hier gezeigten Bilder nicht gerecht werden können.
Der WM folgen auch die Esten (obwohl sie noch nie an einem großen Fußballturnier teilnehmen konnten) gerne beim Public Viewing im angesagten Inviertel hinter dem Bahnhof.
Wir fahren weiter entlang der Ostsee und kommen zur estnischen Grenze.
In Estland gibt es viele RMK Zeltplätze im Wald und am Meer mit genügend Feuerstellen, Feuerholz und Plumpsklo. Unser erster Platz liegt direkt an der Ostsee und ist umgeben von Wald. Hier treffen sich am Wochenende viele Einheimische, die mit Zelt oder Camper anreisen und feiern.
Natürlich hatten wir kein Grillgut dabei, aber Feuer musste trotzdem sein und gegrilltes Brot hat auch seinen Reiz.
Die estnischen Städte scheinen einen besonderen Bezug zu Tieren zu haben. In Pärnu stehen überall Elefanten herum und weisen nicht nur Radfahrerinnen den Weg, sondern finden sich auch mitten im Weg.
Am Stadtstrand ist für jeden was dabei, vom Beachvolleyball bis zum Aperol Sprizz
Wir waren einiges über die Insel Saarema, die größte Estlands, gelesen und fahren dann spontan zum Fährhafen von Virsu und können gleich übersetzen.
Die Fähre bringt uns nach Muhu. Angeblich fahren die meisten Touristen gleich weiter nach Saarema. Wir bleiben aber erstmal, denn wir haben im Internet gelesen, dass es hier das nördlichste Weingut Europas gibt. Das wollen wir uns doch mal genauer anschauen. Peke, der finnische Winzer, freut sich über unser Interesse und wir dürfen sogar mit dem Womo im Garten übernachten und essen am Abend in seinem Restaurant.
Das Weingut heißt Matiesen und Lüscher, benannt nach Paul Matiesen, einem Esten und Arnold Lüscher, einem Schweizer. Peke hat uns die ganze lange Geschichte von Matiesen erzählt, der vor den Sowjets fliehen musste und erst spät in seinem Leben wieder nach Estland zurückkehrten konnte. Wir haben uns sogar die Doku im estnischen Fernsehen angesehen. Oder kurz gesagt, Peke hat Matiesen um 2010 zufällig getroffen und diese Begegnung hat ihn zum Weinbau gebracht. Beim Geschmack seines Weines ist noch Luft nach oben, beim Preis hat er schon höchstes Niveau erreicht. Daher haben wir uns mit einem Glas begnügt.
Nach Mittsommer, das wir auf einem Campingplatz am kleinen Hafen Koiguste verbracht haben, entdeckten wir wirklich ein traumhaftes Plätzchen direkt am Meer. Ganz alleine standen wir dort zwei Tage und konnten abends am Strand speisen.
Eine Radtour zum Leuchtturm musste ich alleine unternehmen, denn für den Fahrer war chillen angesagt.
Auch unser nächster Stellplatz war ein RMK Platz, absolut in der Pampa im Nationalpark Vilsandi. Hier habe ich bei meinem kleinen Spaziergang Bekanntschaft mit einer schwarzen Kreuzotter, genannt Höllenotter, gemacht. Für ein Bild war ich allerdings zu spät.
Zurück auf dem Festland fahren wir nach Rummu auf den Campingplatz. Wir brauchen mal wieder Wasser, wollen duschen und müssen entsorgen. Der Platz liegt an einem ehemaligen Steinbruch. Heute bietet der See im Sommer Abkühlung, auch wenn das Wasser sehr kalt war.
Das steht einfach ein Klavier und alle können sich hinsetzen und spielen. Oder wenigstens so tun als ob.
In dem Steinbruch mussten früher die Insassen des nebenanliegenden Gefängnisses arbeiten.
Wir besichtigen das Gefängnis am nächsten Tag und können angesichts des desolaten Zustands der Gebäude kaum glauben, dass es erst 2018 geschlossen wurde.
Als Kontrast machen wir auf unserem Weg nach Tallinn noch einen Abstecher ins Arvo Pärt Museum. Der Audioguide erzählt nicht nur aus dem Leben von Arvo Pärt, sondern spielt auch seine Werke ab.
Weiß jemand wer der junge Mann neben ihm ist? Er war ein wichtiger Mensch in der Musikbranche.
Ohne Grenzstation befinden wir uns plötzlich auf lettischen Strassen und stellen sofort einen entscheidenden Unterschied fest: hier gibt es nur neun sogenannte A-Strassen, die unseren Bundesstraßen ähnlich sind. Biegt man auf kleinere Straßen ein, dann sind es sehr oft Schotterpisten, manchmal durchzogen mit Querrillen, die nur ein langsames Fortkommen ermöglichen und unser Kücheninventar zum Tanzen bringen.
In Liepaja machen wir einen ersten Halt und besuchen das ehemalige Militärgefängnis der Marine. Hier wurden während der Sowjetherrschaft Soldaten, meist wegen Disziplinarvergehen, bestraft.
Links eine fahrbare „Gasmaske“ für Säuglinge und Kleinkinder, rechts das Equipment für die highendige Beschallung der Gefangenen mit sowjetischem Militärgedudel.
Unser Guide macht sich eigentlich ganz gut als Anstaltsleiter.
Auch für Zerstreuung der Gattin war mittels Zeitschriften gesorgt.
Heutzutage kann man sich für eine Nacht in das Gefängnis einmieten und je nach Preiskategorie auf einer Holzpritsche mit oder ohne Matraze nächtigen. Auch einen entsprechenden Umgangston kann man dann erleben. Ob die ebenfalls angebotenen Scheinexekutionen gerne gebucht werden, wissen wir leider nicht. Man findet die Unterkunft tatsächlich bei booking.com unter Karosta Prison/Liepaja recht günstig ab 40 Euro pro Nacht. Auch auf die hübschen Schlüsselanhänger haben wir trotz der moderaten Preisgestaltung verzichtet.
Die Offizierssiedlung Nahe des Gefängnisses ist in der Zwischenzeit dem Verfall preisgegeben.
Wir schlafen lieber in unserem Camper auf dem Campingplatz Kareli. Ein Platz auf einem privaten Grundstück direkt an der Ostsee.
Hier kann ich wieder kilometerweit am Strand entlanggehen und den Sonnenuntergang genießen.
Nicht mehr lange bis Mitsommer. Hier war noch um Mitternacht der Himmel über dem Meer dunkelrot.
Die Campingplatz Chefin legt uns einen Besuch in Kuldiga sehr ans Herz. Ein nettes Städtchen am Fluß Venta. Für unseren Stadtbummel reißt der Himmel sogar auf und wir bleiben trocken
Was hier aussieht wie ein tosender Wasserfall, ist nur eine kleine Staustufe, die man ausgestattet mit Anglerhosen leicht begehen kann und dann das ultimative Urlaubsfoto posten kann.
Für unseren Übernachtungsplatz müssen wir eine holprige Strasse durch den Wald nehmen und finden dann eine große Lichtung.
und das Haus von Siggi. Er kommt aus Deutschland, lebt schon viele Jahre hier und hat sich ein schönes Haus am See gebaut. Da er früher selbst als Camper unterwegs war, bietet er hier allen gegen eine Spende einen Übernachtungsplatz.
Bis nach Ventspils fahren wir mehr auf einer Piste als auf einer Strasse. Die Stadt lohnt sich vielleicht wegen der Kühe, die hier überall rumstehen
und wegen des guten Essens im Vindava
Bei Irbene führt uns der Weg durch verfallene Kasernen zur großen Radio-Teleskopstation, die den Sowjets zum Abhören von Telefongesprächen und Radiosendern im Westen gedient haben soll.
Beim Kap Kolka trifft die Rigaer Bucht auf die Ostsee und es ist der einzige Ort in Lettland wo man Sonnenaufgang und Sonnenuntergang über dem Meer von der gleichen Stelle aus erleben kann – wenn das Wetter mitspielt. Bei uns hat es das nicht. Trotzdem ein lohnenswerter Besuch.
Der kostenlose Parkplatz am Kap ist ein Hotspot für deutsche Camper. So nah aufeinander sind wir schon lange nicht mehr gestanden. Wahrscheinlich hoffen alle auf eine Wetteränderung.
Auf uns wartet die nächste baltische Hauptstadt. Wir entschließen uns den Stadtcampingplatz Riverside zu nutzen, von wo aus man mit dem Rad in 15 Minuten in der Altstadt von Riga ist.
Über diesen schmalen Weg auf der Brücke wird der gesamte Fußgänger- und Radverkehr in beide Richtungen abgewickelt. Besonders in der Rushhour kommt man sich hier sehr nahe. Obwohl Ankerplatz des Kreuzfahrtschiffes einiges außerhalb der historischen Altstadt lag, war rechtzeitig zur Dinnertime das Schiffshorn überall zu hören. Für die Einheimischen meist eine Erlösung, da nun Tausende von Touristen zum Abendessen in ihre schwimmenden Bettenburgen zurücktrotten.
Das Schwarzhäupterhaus im Zentrum Rigas wurde in den 1990er Jahren originalgetreu wiederaufgebaut. Der Name geht auf eine Vereinigung deutscher Kaufleute in verschiedenen baltischen Städten zurück.
Übrigens wurde die Sherlock Holmes Filme in Riga gedreht und deshalb gibt es auch eine Kneipe zu Ehren der Filmfigur.
Die Skulptur Der Geist von Ieva Rubeze , die sich an der mittelalterlichen Stadtmauer nahe dem Schwedischen Tor befindet, ist erst elf Jahre alt. Die Geschichten unseres Guides dazu, spielen im Mittelalter.
Bremen schenkte ihrer Partnerstadt eine den Bremer Stadtmusikanten angelehnte Skulptur. Allerdings schauen die Tiere hier durch den geöffneten Eisernen Vorhang und die Gesichter der Tiere soll die Überraschung über dieses unerwartete Ereignis ausdrücken.
Der Rigaer Dom ist besonders wegen seiner Orgel bekannt und wir können einem Concerto piccolo lauschen, das in den Sommermonaten täglich um 12 Uhr stattfindet. Die Orgel wurde von einer Werkstatt in Ludwigsburg gebaut und besteht aus 6718 Pfeifen und 116 Registern.
Der Dom hat mehrmals in seiner Geschichte die Konfession gewechselt und während der sowjetischen Besatzung es vor allem als Konzertsaal gedient.
In der Urne befindet sich das Herz von Carl Gustav Jochmann, deutscher Autor und Philosoph, der von 1810 bis 1819 in Riga als Rechtsanwalt praktizierte. Er ist 1830 in Naumburg/Saale verstorben und gemäß seinem Wunsch wurde sein Herz nach Riga zu seinem „beloved Friend Sengbusch“ überstellt und die Urne kann nun im Kreuzgang des Doms beichtigt werden. Ob noch weitere Leute post mortem mit Organen von C. G. Jochmann beglückt wurden ist nicht überliefert.
In Riga finden wir auch wieder eine gute Bäckerei mit ausgezeichnetem Vollkornbrot. Und erst die Markthallen – Fisch, Gemüse, Obst in Hülle und Fülle.
Etwas beunruhigend, dass am Eingang der Markthallen explizit auf das Verbot von Schusswaffen hingewiesen wird. Geht man hier mit der Knarre Gemüse kaufen?
Abends gab es kalte Beetesuppe vor einer Bücherwand
und auch die Möwen interessierten sich für das übriggelassene Essen und ließen sich auch von den nahen Menschen nicht abschrecken.
So kurz vor Mittsommer finden sich in Riga oft Musikgruppen ein, die dann für Passanten oder einfach nur für sich spielen. Oder man schaut sich die trostlosen Spiele der WM an.
In Riga soll es an die 800 Jugendstilgebäude geben, die in der ganzen Stadt verteilt sind. Entlang der Alberta iela und ihrer Nebenstraßen wurden die Jugendstilhäuser innerhalb kürzester Zeit (zwischen 1901 und 1908) erbaut, die meisten von Michail Eisenstein. Im Internet fanden wir dazu folgende Beschreibung: „Gekonnt verdrehen die nackten Girlies unter den Balkonen ihre biegsamen Leiber, präsentieren ihre nackten Ärsche und die prächtigen Brüste…“ (wer mehr wissen will, kann es unter http://www.sirenen-und-heuler.de nachlesen). Entscheidet selbst.
Da das Wetter in den nächsten Tagen sommerliche Temperaturen erreichen soll, wollen wir raus aus der Stadt und fahren weiter entlang der Ostsee nach Norden.
Wir setzen mit der Fähre auf die Kurische Nehrung über. Kein billiges Vergnügen, es fallen für die 10-minütige Fahrt 43 Euro an und zusätzlich müssen alle noch eine Straßenmaut von 20 Euro entrichten. Aber so können wir auf dem Campingplatz in Nidda zwei Nächte verbringen.
Mit diesen Knochenfunden hatte die deutsche Wehrmacht diesmal nichts zu tun. Vielmehr wurden durch Wanderungsbewegung der großen Düne die Gräber der Vorfahren freigelegt.
Direkt vom Campingplatz führt ein Wanderweg zur Düne und von oben hat man einen Blick nach Russland und kann durch das Death Valley bis an die Grenze wandern.
An der höchsten Stelle der Düne befindet sich auch eine Statue von Paul Sartre, den man allerdings nur dank des Hinweises auf der Infotafel und dem dort angebrachten Bild erkennt.
Neben einer Radtour durch die Wälder der kurischen Nehrung auf gut ausgebauten Radwegen nach Juodkrantes, das neben Nidda ein weiteres kleines Touristenstädtchen ist
darf ein Besuch des Thomas Mann Hauses nicht fehlen.
Zwei Sommer hat die Familie Mann hier ihren Urlaub verbracht. Danach sind Thomas und Katja Mann vor den Nazis zunächst in die Schweiz und dann über Sanary-sur-Mer nach Amerika emigriert.
Laut unserem Audioguide musste das Arbeitszimmer von Thomas Mann in jedem Haus das sie bewohnten exakt gleich eingerichtet sein, auch sein Schreibtisch sollte immer nach der gleichen Himmelsrichtung ausgerichtet sein. Überprüfen konnten wir diese Aussage nicht.
Im Bibliothekszimmer der Mann-Villa befindet sich neben vielen anderen Büchern von ihm und über ihn sogar die Hermann Kurzke Biographie.
Auch eine kleine Sammlung von Filmplakaten sind hier ausgestellt.
Starkregen begleitet uns auf der Rückreise und zeigt, dass die Strassen der Kurischen Nehrung bei diesen Wetterbedingungen sehr schlecht befahrbar sind. Große Schlaglöcher, gefüllt mit Wasser, würde jeden Fußgänger bis unter die Haarspitzen wässern, aber Fußgänger gibt es hier keine.
Zurück auf dem Festland fahren wir noch ein Stück nördlich und statten dem Museum des kalten Krieges und der Raketenbasis Paplatele einen Besuch ab.
Hier war in Sowjetzeiten eine unterirdische Abschußrampe für Nuklearraketen mit Reichweite auch bis nach Deutschland.
Der Funker rechts hatte ein besonders langes Kabel für den Kopfhörer. Damit blieb er auch bei Toilettensitzungen immer auf dem Laufenden und so war gewährleistet, daß er nicht durch Stuhl- oder Harndrang den Atomkrieg versäumte
Treffen sich zwei im grünen Mäntelchen, zum perfekten Partnerlook fehlt nur noch eine der Gasmasken.
Links sieht man die Innenseite der Stahlkonstruktion, die die Schächte der Atombomben bedeckte. Rechts ein Blick durch das Netz in den Betonschacht.
Übernachten konnten wir auf dem dortigen Parkplatz, wieder mal eine ruhige Nacht an einem geschichtsträchtigen Ort.
Das war unser letzter Stopp in Litauen, denn als wir am nächsten Morgen weiterfuhren, tauchte plötzlich aus dem Nichts das Schild von Lettland auf.
Beim Grenzübertritt von Polen nach Litauen wurden wir von der Grenzpolizei angehalten, die unsere Dokumente sorgfältig geprüft hat. Wenige Kilometer weiter ist unsere erste Station der Grütas-Park. Hier stehen und liegen unzählige abmontierte Denkmäler und Statuen hauptsächlich von Stalin, aber auch ein paar andere wichtige Persönlichkeiten sind in dem weitläufigen Gelände zu finden.
Eine reiche Industriellenfamilie hat mit der Sammlung kurz nach der Unabhängigkeit begonnen und so viele Monumente vor der Zerstörung gerettet. Es mutet schon bizarr an, durch einen großen Park zu gehen und dabei an großen, kleinen und mittelgroßen sowjetischen Statuen vorbei zu kommen. Die jeweilige Größe hatte auch immer etwas mit der Bedeutung und Größe der Stadt zu tun, in der das Monument aufgestellt war.
Schön zu sehen, dass Genosse Lenin (wir nennen ihn nach all den vielen positiven Darstellungen inzwischen Bro Wladi) auch schon ein leidenschaftlicher Camper war.
In mehreren Häuser gibt es Ausstellungen zu verschiedenen Aspekten des sowjetischen Lebens im Lauf der Geschichte. Und wenn man möchte, kann man der Originalstimme von Stalin lauschen (möchte man aber eigentlich lieber nicht).
Wir hatten gelesen, dass es an vielen Stellen im Baltikum möglich ist, frei zu stehen. In unserer App haben wir uns einen Platz an einem kleinen See ausgesucht und wollten dort übernachten. Allerdings hat uns nach dem Abendessen gestrenge Grenzpolizei aufgesucht und uns klar zu verstehen gegeben, dass wir zu dem Campingplatz in der nächstgelegenen Stadt weiterfahren sollen. Grund war wohl die unmittelbare Nähe der Grenze zu Belarus, die nach unserem Eindruck strenger überwacht wird als die zu Russland.
Also haben wir die Nacht auf dem offiziellen Campingplatz in Druskininkai verbracht und am nächsten Morgen die Stadt besichtigt.
Druskininkai ist eine nette Kurstadt, die wegen ihres Heilwassers berühmt ist. Für mich war das Wasser allerdings ungenießbar. [Für mich übrigens auch, eine elendige salzige Plörre (der Fahrer)]
In der Touristeninfo haben wir dann einen Tipp für einen Platz am nahegelegenen See bekommen und dort konnten wir dann auch wirklich die Nacht ungestört verbringen. Am See gab es Picknicktische, Feuerstellen. Abends kamen Einheimische zum Angeln und ein paar Jugendliche zum Chillen. Nur wenige Meter vom Platz entfernt befindet sich ein Holocaust Memorial. Hier wurden 1942 über 600 Personen meist jüdischer Herkunft von Nazis erschossen und anschließend verscharrt.
Holzskulpturen findet sich in Litauen häufig. Auch bei diesem Stellplatz gab es einen Holzkreis mit Figuren aus der baltischen Mythologie. Links steht der Schöpfer der Welt, in der Mitte steht Medeina, die Göttin des Waldes, der Flora und Fauna und rechts steht die Göttin des Feuers, Gabija.
Unser nächster Stopp ist Trakai und das gleichnamige Wasserschloss.
In Trakai gibt es zwei Stellplätze für Womos, beide liegen nah beisammen, einer hat Seeblick, was den Preis um 10 € erhöht. Wir haben uns für den günstigeren entschieden.
Das nette Städtchen ist vor allem wegen seiner Burganlage bekannt, aber auch die alten bunten Holzhäuser in der Hauptstraße sind sehenswert und danach können sich die vielen Besucher in einem der kleinen Cafés entspannen und auf den See blicken.
Wir waren abends im Restaurant Apvalaus Stalo Klubo essen, das einige Speisen mit Raucharoma aufpeppte.
Nun auf nach Vilnius. Es gibt einen großen Parkplatz in der Nähe des Burgbergs und von dort aus kann man die Altstadt und alle wichtigen Punkte gut zu Fuß erreichen. Das hat seinen Preis: 1,50 € pro Stunde ist kein Schnäppchen.
Die vielen Kirchen, die es in der Stadt gibt, lassen wir hier mal außen vor und erzählen von anderen vielleicht nicht so bekannten Dingen.
In einem Innenhof in der Stiklių-Straße entdeckten wir Medeina, die Waldgöttin, die auf einem Bären reitet. Die Sage ist alt, die Bronzestatue relativ neu, sie stammt von 1988.
Auf dem Rathausplatz steht das wohl ungewöhnlichste und modernste Wahrzeichen der Stadt.
Es verbindet Vilnius in Echtzeit mit den Städten Dublin, Ipswitch, Philadelphia, Lublin, Manila und Piaui.
Schön zu sehen, dass die Menschen in diesen Städten stehenbleiben, winken, tanzen und den anderen Menschen in den anderen Städten zulächeln. Die Idee und Umsetzung stammt von Benediktas Gylys, einem litauischen Künstler und Gründer der Initiative Portals.org. Immer wieder kommen neue Städte hinzu. Ein schönes Zeichen und ein Hinweis auf das verbindende zwischen den Menschen und Kulturen auf der Welt.
Wir konnten einem besonderen Spektakel beiwohnen, dem Corki Rennen!
Nicht immer haben sich die kleinen Hunde an die Anweisungen ihrer Frauchen gehalten und auf der kurzen Strecke eine Abzweigung genommen.
Von unserem Guide wurden wir auf spezielle Nummernschilder für noch speziellere Fahrzeuge hingewiesen. Wer hier das nötige Kleingeld besitzt, kauft sich eines dieser Nummernschilder, deren Preis bis zu 5.000 Euro betragen kann.
Am Fluß Vilna liegt mitten in Vilnius die Republik Uzupis. Der Name bedeutet jenseits des Flusses. Dieser kleine Stadtteil ist von drei Seiten von der Vilna umschlossen und vor dem Zweiten Weltkrieg lebte hier hauptsächlich die jüdische Bevölkerung.
Nach Ende des Krieges wurde der Ort eine Stätte für Kriminelle und Obdachlose. Und nach der Unabhängigkeit entdeckten Künstler die Gegend und ließen sich dort nieder.
1997 wurde die Republik Uzupis gegründet: Regierungssitz wurde das Café Uzupio, davor wurde eine Bronzetafel mit den Artikeln der Verfassung montiert. In der Zwischenzeit gibt es diese Tafel in allen wichtigen Sprachen entlang der Mauer.
Jedes Jahr am 1. April wird die Gründung der Republik gefeiert, es gibt Grenzkontrollen an den Brücken und aus dem Brunnen soll sogar Bier fließen.
Im Künstlerviertel findet sich auch Jesus mit Rucksack als Wanderer zwischen den Welten ein.
Für uns gab es am Abend einen Aperitivo, dessen Preis sogar uns Münchnerinnen kurz zögern lässt.
Der nächste Morgen beginnt mit Regen, der sich im Laufe der nächsten Stunden intensiviert.
Also nichts wie rein in die Markthalle, dort ist es trocken und wir können unsere Vorräte aufstocken.
Ungefähr eine Stunde nördlich von Vilnius gibt es in Rumsiskes ein großes Freilichtmuseum.
Verschiedene Dörfer und Höfe aus allen Landesteilen und Jahrhunderten wurden hier wiederaufgebaut.
Das Gelände ist so groß, dass sich der Besuch mit dem Fahrrad lohnt. Wir können auf dem Parkplatz günstig übernachten und erleben ein Gewitter mit Starkregen und nicht enden wollenden Blitzen und Donner.
Das Wetter wird nun für die nächste Zeit wechselhaft bleiben. In Kaunas haben wir aber Glück und können die Stadt bei angenehmen Temperaturen und Sonnenschein besuchen
und am belebten Markplatz in ein typisch litauisches Restaurant einkehren.
Zum Ausklang geht es in der Strandbar neben dem Campingplatz. Und weil der 6. Juni für mich ein besonderes Datum ist, gibt es einen Cocktail, der aus einem großen und einem kleinen Glas bestand.