Beim Grenzübertritt von Polen nach Litauen wurden wir von der Grenzpolizei angehalten, die unsere Dokumente sorgfältig geprüft hat.
Wenige Kilometer weiter ist unsere erste Station der Grütas-Park. Hier stehen und liegen unzählige abmontierte Denkmäler und Statuen hauptsächlich von Stalin, aber auch ein paar andere wichtige Persönlichkeiten sind in dem weitläufigen Gelände zu finden.


Eine reiche Industriellenfamilie hat mit der Sammlung kurz nach der Unabhängigkeit begonnen und so viele Monumente vor der Zerstörung gerettet. Es mutet schon bizarr an, durch einen großen Park zu gehen und dabei an großen, kleinen und mittelgroßen sowjetischen Statuen vorbei zu kommen. Die jeweilige Größe hatte auch immer etwas mit der Bedeutung und Größe der Stadt zu tun, in der das Monument aufgestellt war.






Schön zu sehen, dass Genosse Lenin (wir nennen ihn nach all den vielen positiven Darstellungen inzwischen Bro Wladi) auch schon ein leidenschaftlicher Camper war.



In mehreren Häuser gibt es Ausstellungen zu verschiedenen Aspekten des sowjetischen Lebens im Lauf der Geschichte. Und wenn man möchte, kann man der Originalstimme von Stalin lauschen (möchte man aber eigentlich lieber nicht).






Wir hatten gelesen, dass es an vielen Stellen im Baltikum möglich ist, frei zu stehen. In unserer App haben wir uns einen Platz an einem kleinen See ausgesucht und wollten dort übernachten. Allerdings hat uns nach dem Abendessen gestrenge Grenzpolizei aufgesucht und uns klar zu verstehen gegeben, dass wir zu dem Campingplatz in der nächstgelegenen Stadt weiterfahren sollen. Grund war wohl die unmittelbare Nähe der Grenze zu Belarus, die nach unserem Eindruck strenger überwacht wird als die zu Russland.


Also haben wir die Nacht auf dem offiziellen Campingplatz in Druskininkai verbracht und am nächsten Morgen die Stadt besichtigt.




Druskininkai ist eine nette Kurstadt, die wegen ihres Heilwassers berühmt ist. Für mich war das Wasser allerdings ungenießbar. [Für mich übrigens auch, eine elendige salzige Plörre (der Fahrer)]


In der Touristeninfo haben wir dann einen Tipp für einen Platz am nahegelegenen See bekommen und dort konnten wir dann auch wirklich die Nacht ungestört verbringen. Am See gab es Picknicktische, Feuerstellen. Abends kamen Einheimische zum Angeln und ein paar Jugendliche zum Chillen.
Nur wenige Meter vom Platz entfernt befindet sich ein Holocaust Memorial. Hier wurden 1942 über 600 Personen meist jüdischer Herkunft von Nazis erschossen und anschließend verscharrt.


Holzskulpturen findet sich in Litauen häufig. Auch bei diesem Stellplatz gab es einen Holzkreis mit Figuren aus der baltischen Mythologie. Links steht der Schöpfer der Welt, in der Mitte steht Medeina, die Göttin des Waldes, der Flora und Fauna und rechts steht die Göttin des Feuers, Gabija.



Unser nächster Stopp ist Trakai und das gleichnamige Wasserschloss.

In Trakai gibt es zwei Stellplätze für Womos, beide liegen nah beisammen, einer hat Seeblick, was den Preis um 10 € erhöht. Wir haben uns für den günstigeren entschieden.



Das nette Städtchen ist vor allem wegen seiner Burganlage bekannt, aber auch die alten bunten Holzhäuser in der Hauptstraße sind sehenswert und danach können sich die vielen Besucher in einem der kleinen Cafés entspannen und auf den See blicken.

Wir waren abends im Restaurant Apvalaus Stalo Klubo essen, das einige Speisen mit Raucharoma aufpeppte.



Nun auf nach Vilnius.
Es gibt einen großen Parkplatz in der Nähe des Burgbergs und von dort aus kann man die Altstadt und alle wichtigen Punkte gut zu Fuß erreichen. Das hat seinen Preis: 1,50 € pro Stunde ist kein Schnäppchen.






Die vielen Kirchen, die es in der Stadt gibt, lassen wir hier mal außen vor und erzählen von anderen vielleicht nicht so bekannten Dingen.

In einem Innenhof in der Stiklių-Straße entdeckten wir Medeina, die Waldgöttin, die auf einem Bären reitet. Die Sage ist alt, die Bronzestatue relativ neu, sie stammt von 1988.


Auf dem Rathausplatz steht das wohl ungewöhnlichste und modernste Wahrzeichen der Stadt.


Es verbindet Vilnius in Echtzeit mit den Städten Dublin, Ipswitch, Philadelphia, Lublin, Manila und Piaui.
Schön zu sehen, dass die Menschen in diesen Städten stehenbleiben, winken, tanzen und den anderen Menschen in den anderen Städten zulächeln. Die Idee und Umsetzung stammt von Benediktas Gylys, einem litauischen Künstler und Gründer der Initiative Portals.org. Immer wieder kommen neue Städte hinzu. Ein schönes Zeichen und ein Hinweis auf das verbindende zwischen den Menschen und Kulturen auf der Welt.


Wir konnten einem besonderen Spektakel beiwohnen, dem Corki Rennen!
Nicht immer haben sich die kleinen Hunde an die Anweisungen ihrer Frauchen gehalten und auf der kurzen Strecke eine Abzweigung genommen.


Von unserem Guide wurden wir auf spezielle Nummernschilder für noch speziellere Fahrzeuge hingewiesen. Wer hier das nötige Kleingeld besitzt, kauft sich eines dieser Nummernschilder, deren Preis bis zu 5.000 Euro betragen kann.


Am Fluß Vilna liegt mitten in Vilnius die Republik Uzupis. Der Name bedeutet jenseits des Flusses. Dieser kleine Stadtteil ist von drei Seiten von der Vilna umschlossen und vor dem Zweiten Weltkrieg lebte hier hauptsächlich die jüdische Bevölkerung.


Nach Ende des Krieges wurde der Ort eine Stätte für Kriminelle und Obdachlose. Und nach der Unabhängigkeit entdeckten Künstler die Gegend und ließen sich dort nieder.




1997 wurde die Republik Uzupis gegründet: Regierungssitz wurde das Café Uzupio, davor wurde eine Bronzetafel mit den Artikeln der Verfassung montiert. In der Zwischenzeit gibt es diese Tafel in allen wichtigen Sprachen entlang der Mauer.







Jedes Jahr am 1. April wird die Gründung der Republik gefeiert, es gibt Grenzkontrollen an den Brücken und aus dem Brunnen soll sogar Bier fließen.


Im Künstlerviertel findet sich auch Jesus mit Rucksack als Wanderer zwischen den Welten ein.


Für uns gab es am Abend einen Aperitivo, dessen Preis sogar uns Münchnerinnen kurz zögern lässt.


Der nächste Morgen beginnt mit Regen, der sich im Laufe der nächsten Stunden intensiviert.

Also nichts wie rein in die Markthalle, dort ist es trocken und wir können unsere Vorräte aufstocken.




Ungefähr eine Stunde nördlich von Vilnius gibt es in Rumsiskes ein großes Freilichtmuseum.


Verschiedene Dörfer und Höfe aus allen Landesteilen und Jahrhunderten wurden hier wiederaufgebaut.






Das Gelände ist so groß, dass sich der Besuch mit dem Fahrrad lohnt. Wir können auf dem Parkplatz günstig übernachten und erleben ein Gewitter mit Starkregen und nicht enden wollenden Blitzen und Donner.
Das Wetter wird nun für die nächste Zeit wechselhaft bleiben. In Kaunas haben wir aber Glück und können die Stadt bei angenehmen Temperaturen und Sonnenschein besuchen


und am belebten Markplatz in ein typisch litauisches Restaurant einkehren.



Zum Ausklang geht es in der Strandbar neben dem Campingplatz. Und weil der 6. Juni für mich ein besonderes Datum ist, gibt es einen Cocktail, der aus einem großen und einem kleinen Glas bestand.


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