Wir fahren weiter entlang der Ostsee und kommen zur estnischen Grenze.
In Estland gibt es viele RMK Zeltplätze im Wald und am Meer mit genügend Feuerstellen, Feuerholz und Plumpsklo. Unser erster Platz liegt direkt an der Ostsee und ist umgeben von Wald. Hier treffen sich am Wochenende viele Einheimische, die mit Zelt oder Camper anreisen und feiern.
Natürlich hatten wir kein Grillgut dabei, aber Feuer musste trotzdem sein und gegrilltes Brot hat auch seinen Reiz.
Die estnischen Städte scheinen einen besonderen Bezug zu Tieren zu haben. In Pärnu stehen überall Elefanten herum und weisen nicht nur Radfahrerinnen den Weg, sondern finden sich auch mitten im Weg.
Am Stadtstrand ist für jeden was dabei, vom Beachvolleyball bis zum Aperol Sprizz
Wir waren einiges über die Insel Saarema, die größte Estlands, gelesen und fahren dann spontan zum Fährhafen von Virsu und können gleich übersetzen.
Die Fähre bringt uns nach Muhu. Angeblich fahren die meisten Touristen gleich weiter nach Saarema. Wir bleiben aber erstmal, denn wir haben im Internet gelesen, dass es hier das nördlichste Weingut Europas gibt. Das wollen wir uns doch mal genauer anschauen. Peke, der finnische Winzer, freut sich über unser Interesse und wir dürfen sogar mit dem Womo im Garten übernachten und essen am Abend in seinem Restaurant.
Das Weingut heißt Matiesen und Lüscher, benannt nach Paul Matiesen, einem Esten und Arnold Lüscher, einem Schweizer. Peke hat uns die ganze lange Geschichte von Matiesen erzählt, der vor den Sowjets fliehen musste und erst spät in seinem Leben wieder nach Estland zurückkehrten konnte. Wir haben uns sogar die Doku im estnischen Fernsehen angesehen. Oder kurz gesagt, Peke hat Matiesen um 2010 zufällig getroffen und diese Begegnung hat ihn zum Weinbau gebracht. Beim Geschmack seines Weines ist noch Luft nach oben, beim Preis hat er schon höchstes Niveau erreicht. Daher haben wir uns mit einem Glas begnügt.
Nach Mittsommer, das wir auf einem Campingplatz am kleinen Hafen Koiguste verbracht haben, entdeckten wir wirklich ein traumhaftes Plätzchen direkt am Meer. Ganz alleine standen wir dort zwei Tage und konnten abends am Strand speisen.
Eine Radtour zum Leuchtturm musste ich alleine unternehmen, denn für den Fahrer war chillen angesagt.
Auch unser nächster Stellplatz war ein RMK Platz, absolut in der Pampa im Nationalpark Vilsandi. Hier habe ich bei meinem kleinen Spaziergang Bekanntschaft mit einer schwarzen Kreuzotter, genannt Höllenotter, gemacht. Für ein Bild war ich allerdings zu spät.
Zurück auf dem Festland fahren wir nach Rummu auf den Campingplatz. Wir brauchen mal wieder Wasser, wollen duschen und müssen entsorgen. Der Platz liegt an einem ehemaligen Steinbruch. Heute bietet der See im Sommer Abkühlung, auch wenn das Wasser sehr kalt war.
Das steht einfach ein Klavier und alle können sich hinsetzen und spielen. Oder wenigstens so tun als ob.
In dem Steinbruch mussten früher die Insassen des nebenanliegenden Gefängnisses arbeiten.
Wir besichtigen das Gefängnis am nächsten Tag und können angesichts des desolaten Zustands der Gebäude kaum glauben, dass es erst 2018 geschlossen wurde.
Als Kontrast machen wir auf unserem Weg nach Tallinn noch einen Abstecher ins Arvo Pärt Museum. Der Audioguide erzählt nicht nur aus dem Leben von Arvo Pärt, sondern spielt auch seine Werke ab.
Weiß jemand wer der junge Mann neben ihm ist? Er war ein wichtiger Mensch in der Musikbranche.
Ohne Grenzstation befinden wir uns plötzlich auf lettischen Strassen und stellen sofort einen entscheidenden Unterschied fest: hier gibt es nur neun sogenannte A-Strassen, die unseren Bundesstraßen ähnlich sind. Biegt man auf kleinere Straßen ein, dann sind es sehr oft Schotterpisten, manchmal durchzogen mit Querrillen, die nur ein langsames Fortkommen ermöglichen und unser Kücheninventar zum Tanzen bringen.
In Liepaja machen wir einen ersten Halt und besuchen das ehemalige Militärgefängnis der Marine. Hier wurden während der Sowjetherrschaft Soldaten, meist wegen Disziplinarvergehen, bestraft.
Links eine fahrbare „Gasmaske“ für Säuglinge und Kleinkinder, rechts das Equipment für die highendige Beschallung der Gefangenen mit sowjetischem Militärgedudel.
Unser Guide macht sich eigentlich ganz gut als Anstaltsleiter.
Auch für Zerstreuung der Gattin war mittels Zeitschriften gesorgt.
Heutzutage kann man sich für eine Nacht in das Gefängnis einmieten und je nach Preiskategorie auf einer Holzpritsche mit oder ohne Matraze nächtigen. Auch einen entsprechenden Umgangston kann man dann erleben. Ob die ebenfalls angebotenen Scheinexekutionen gerne gebucht werden, wissen wir leider nicht. Man findet die Unterkunft tatsächlich bei booking.com unter Karosta Prison/Liepaja recht günstig ab 40 Euro pro Nacht. Auch auf die hübschen Schlüsselanhänger haben wir trotz der moderaten Preisgestaltung verzichtet.
Die Offizierssiedlung Nahe des Gefängnisses ist in der Zwischenzeit dem Verfall preisgegeben.
Wir schlafen lieber in unserem Camper auf dem Campingplatz Kareli. Ein Platz auf einem privaten Grundstück direkt an der Ostsee.
Hier kann ich wieder kilometerweit am Strand entlanggehen und den Sonnenuntergang genießen.
Nicht mehr lange bis Mitsommer. Hier war noch um Mitternacht der Himmel über dem Meer dunkelrot.
Die Campingplatz Chefin legt uns einen Besuch in Kuldiga sehr ans Herz. Ein nettes Städtchen am Fluß Venta. Für unseren Stadtbummel reißt der Himmel sogar auf und wir bleiben trocken
Was hier aussieht wie ein tosender Wasserfall, ist nur eine kleine Staustufe, die man ausgestattet mit Anglerhosen leicht begehen kann und dann das ultimative Urlaubsfoto posten kann.
Für unseren Übernachtungsplatz müssen wir eine holprige Strasse durch den Wald nehmen und finden dann eine große Lichtung.
und das Haus von Siggi. Er kommt aus Deutschland, lebt schon viele Jahre hier und hat sich ein schönes Haus am See gebaut. Da er früher selbst als Camper unterwegs war, bietet er hier allen gegen eine Spende einen Übernachtungsplatz.
Bis nach Ventspils fahren wir mehr auf einer Piste als auf einer Strasse. Die Stadt lohnt sich vielleicht wegen der Kühe, die hier überall rumstehen
und wegen des guten Essens im Vindava
Bei Irbene führt uns der Weg durch verfallene Kasernen zur großen Radio-Teleskopstation, die den Sowjets zum Abhören von Telefongesprächen und Radiosendern im Westen gedient haben soll.
Beim Kap Kolka trifft die Rigaer Bucht auf die Ostsee und es ist der einzige Ort in Lettland wo man Sonnenaufgang und Sonnenuntergang über dem Meer von der gleichen Stelle aus erleben kann – wenn das Wetter mitspielt. Bei uns hat es das nicht. Trotzdem ein lohnenswerter Besuch.
Der kostenlose Parkplatz am Kap ist ein Hotspot für deutsche Camper. So nah aufeinander sind wir schon lange nicht mehr gestanden. Wahrscheinlich hoffen alle auf eine Wetteränderung.
Auf uns wartet die nächste baltische Hauptstadt. Wir entschließen uns den Stadtcampingplatz Riverside zu nutzen, von wo aus man mit dem Rad in 15 Minuten in der Altstadt von Riga ist.
Über diesen schmalen Weg auf der Brücke wird der gesamte Fußgänger- und Radverkehr in beide Richtungen abgewickelt. Besonders in der Rushhour kommt man sich hier sehr nahe. Obwohl Ankerplatz des Kreuzfahrtschiffes einiges außerhalb der historischen Altstadt lag, war rechtzeitig zur Dinnertime das Schiffshorn überall zu hören. Für die Einheimischen meist eine Erlösung, da nun Tausende von Touristen zum Abendessen in ihre schwimmenden Bettenburgen zurücktrotten.
Das Schwarzhäupterhaus im Zentrum Rigas wurde in den 1990er Jahren originalgetreu wiederaufgebaut. Der Name geht auf eine Vereinigung deutscher Kaufleute in verschiedenen baltischen Städten zurück.
Übrigens wurde die Sherlock Holmes Filme in Riga gedreht und deshalb gibt es auch eine Kneipe zu Ehren der Filmfigur.
Die Skulptur Der Geist von Ieva Rubeze , die sich an der mittelalterlichen Stadtmauer nahe dem Schwedischen Tor befindet, ist erst elf Jahre alt. Die Geschichten unseres Guides dazu, spielen im Mittelalter.
Bremen schenkte ihrer Partnerstadt eine den Bremer Stadtmusikanten angelehnte Skulptur. Allerdings schauen die Tiere hier durch den geöffneten Eisernen Vorhang und die Gesichter der Tiere soll die Überraschung über dieses unerwartete Ereignis ausdrücken.
Der Rigaer Dom ist besonders wegen seiner Orgel bekannt und wir können einem Concerto piccolo lauschen, das in den Sommermonaten täglich um 12 Uhr stattfindet. Die Orgel wurde von einer Werkstatt in Ludwigsburg gebaut und besteht aus 6718 Pfeifen und 116 Registern.
Der Dom hat mehrmals in seiner Geschichte die Konfession gewechselt und während der sowjetischen Besatzung es vor allem als Konzertsaal gedient.
In der Urne befindet sich das Herz von Carl Gustav Jochmann, deutscher Autor und Philosoph, der von 1810 bis 1819 in Riga als Rechtsanwalt praktizierte. Er ist 1830 in Naumburg/Saale verstorben und gemäß seinem Wunsch wurde sein Herz nach Riga zu seinem „beloved Friend Sengbusch“ überstellt und die Urne kann nun im Kreuzgang des Doms beichtigt werden. Ob noch weitere Leute post mortem mit Organen von C. G. Jochmann beglückt wurden ist nicht überliefert.
In Riga finden wir auch wieder eine gute Bäckerei mit ausgezeichnetem Vollkornbrot. Und erst die Markthallen – Fisch, Gemüse, Obst in Hülle und Fülle.
Etwas beunruhigend, dass am Eingang der Markthallen explizit auf das Verbot von Schusswaffen hingewiesen wird. Geht man hier mit der Knarre Gemüse kaufen?
Abends gab es kalte Beetesuppe vor einer Bücherwand
und auch die Möwen interessierten sich für das übriggelassene Essen und ließen sich auch von den nahen Menschen nicht abschrecken.
So kurz vor Mittsommer finden sich in Riga oft Musikgruppen ein, die dann für Passanten oder einfach nur für sich spielen. Oder man schaut sich die trostlosen Spiele der WM an.
In Riga soll es an die 800 Jugendstilgebäude geben, die in der ganzen Stadt verteilt sind. Entlang der Alberta iela und ihrer Nebenstraßen wurden die Jugendstilhäuser innerhalb kürzester Zeit (zwischen 1901 und 1908) erbaut, die meisten von Michail Eisenstein. Im Internet fanden wir dazu folgende Beschreibung: „Gekonnt verdrehen die nackten Girlies unter den Balkonen ihre biegsamen Leiber, präsentieren ihre nackten Ärsche und die prächtigen Brüste…“ (wer mehr wissen will, kann es unter http://www.sirenen-und-heuler.de nachlesen). Entscheidet selbst.
Da das Wetter in den nächsten Tagen sommerliche Temperaturen erreichen soll, wollen wir raus aus der Stadt und fahren weiter entlang der Ostsee nach Norden.
Wir setzen mit der Fähre auf die Kurische Nehrung über. Kein billiges Vergnügen, es fallen für die 10-minütige Fahrt 43 Euro an und zusätzlich müssen alle noch eine Straßenmaut von 20 Euro entrichten. Aber so können wir auf dem Campingplatz in Nidda zwei Nächte verbringen.
Mit diesen Knochenfunden hatte die deutsche Wehrmacht diesmal nichts zu tun. Vielmehr wurden durch Wanderungsbewegung der großen Düne die Gräber der Vorfahren freigelegt.
Direkt vom Campingplatz führt ein Wanderweg zur Düne und von oben hat man einen Blick nach Russland und kann durch das Death Valley bis an die Grenze wandern.
An der höchsten Stelle der Düne befindet sich auch eine Statue von Paul Sartre, den man allerdings nur dank des Hinweises auf der Infotafel und dem dort angebrachten Bild erkennt.
Neben einer Radtour durch die Wälder der kurischen Nehrung auf gut ausgebauten Radwegen nach Juodkrantes, das neben Nidda ein weiteres kleines Touristenstädtchen ist
darf ein Besuch des Thomas Mann Hauses nicht fehlen.
Zwei Sommer hat die Familie Mann hier ihren Urlaub verbracht. Danach sind Thomas und Katja Mann vor den Nazis zunächst in die Schweiz und dann über Sanary-sur-Mer nach Amerika emigriert.
Laut unserem Audioguide musste das Arbeitszimmer von Thomas Mann in jedem Haus das sie bewohnten exakt gleich eingerichtet sein, auch sein Schreibtisch sollte immer nach der gleichen Himmelsrichtung ausgerichtet sein. Überprüfen konnten wir diese Aussage nicht.
Im Bibliothekszimmer der Mann-Villa befindet sich neben vielen anderen Büchern von ihm und über ihn sogar die Hermann Kurzke Biographie.
Auch eine kleine Sammlung von Filmplakaten sind hier ausgestellt.
Starkregen begleitet uns auf der Rückreise und zeigt, dass die Strassen der Kurischen Nehrung bei diesen Wetterbedingungen sehr schlecht befahrbar sind. Große Schlaglöcher, gefüllt mit Wasser, würde jeden Fußgänger bis unter die Haarspitzen wässern, aber Fußgänger gibt es hier keine.
Zurück auf dem Festland fahren wir noch ein Stück nördlich und statten dem Museum des kalten Krieges und der Raketenbasis Paplatele einen Besuch ab.
Hier war in Sowjetzeiten eine unterirdische Abschußrampe für Nuklearraketen mit Reichweite auch bis nach Deutschland.
Der Funker rechts hatte ein besonders langes Kabel für den Kopfhörer. Damit blieb er auch bei Toilettensitzungen immer auf dem Laufenden und so war gewährleistet, daß er nicht durch Stuhl- oder Harndrang den Atomkrieg versäumte
Treffen sich zwei im grünen Mäntelchen, zum perfekten Partnerlook fehlt nur noch eine der Gasmasken.
Links sieht man die Innenseite der Stahlkonstruktion, die die Schächte der Atombomben bedeckte. Rechts ein Blick durch das Netz in den Betonschacht.
Übernachten konnten wir auf dem dortigen Parkplatz, wieder mal eine ruhige Nacht an einem geschichtsträchtigen Ort.
Das war unser letzter Stopp in Litauen, denn als wir am nächsten Morgen weiterfuhren, tauchte plötzlich aus dem Nichts das Schild von Lettland auf.
Beim Grenzübertritt von Polen nach Litauen wurden wir von der Grenzpolizei angehalten, die unsere Dokumente sorgfältig geprüft hat. Wenige Kilometer weiter ist unsere erste Station der Grütas-Park. Hier stehen und liegen unzählige abmontierte Denkmäler und Statuen hauptsächlich von Stalin, aber auch ein paar andere wichtige Persönlichkeiten sind in dem weitläufigen Gelände zu finden.
Eine reiche Industriellenfamilie hat mit der Sammlung kurz nach der Unabhängigkeit begonnen und so viele Monumente vor der Zerstörung gerettet. Es mutet schon bizarr an, durch einen großen Park zu gehen und dabei an großen, kleinen und mittelgroßen sowjetischen Statuen vorbei zu kommen. Die jeweilige Größe hatte auch immer etwas mit der Bedeutung und Größe der Stadt zu tun, in der das Monument aufgestellt war.
Schön zu sehen, dass Genosse Lenin (wir nennen ihn nach all den vielen positiven Darstellungen inzwischen Bro Wladi) auch schon ein leidenschaftlicher Camper war.
In mehreren Häuser gibt es Ausstellungen zu verschiedenen Aspekten des sowjetischen Lebens im Lauf der Geschichte. Und wenn man möchte, kann man der Originalstimme von Stalin lauschen (möchte man aber eigentlich lieber nicht).
Wir hatten gelesen, dass es an vielen Stellen im Baltikum möglich ist, frei zu stehen. In unserer App haben wir uns einen Platz an einem kleinen See ausgesucht und wollten dort übernachten. Allerdings hat uns nach dem Abendessen gestrenge Grenzpolizei aufgesucht und uns klar zu verstehen gegeben, dass wir zu dem Campingplatz in der nächstgelegenen Stadt weiterfahren sollen. Grund war wohl die unmittelbare Nähe der Grenze zu Belarus, die nach unserem Eindruck strenger überwacht wird als die zu Russland.
Also haben wir die Nacht auf dem offiziellen Campingplatz in Druskininkai verbracht und am nächsten Morgen die Stadt besichtigt.
Druskininkai ist eine nette Kurstadt, die wegen ihres Heilwassers berühmt ist. Für mich war das Wasser allerdings ungenießbar. [Für mich übrigens auch, eine elendige salzige Plörre (der Fahrer)]
In der Touristeninfo haben wir dann einen Tipp für einen Platz am nahegelegenen See bekommen und dort konnten wir dann auch wirklich die Nacht ungestört verbringen. Am See gab es Picknicktische, Feuerstellen. Abends kamen Einheimische zum Angeln und ein paar Jugendliche zum Chillen. Nur wenige Meter vom Platz entfernt befindet sich ein Holocaust Memorial. Hier wurden 1942 über 600 Personen meist jüdischer Herkunft von Nazis erschossen und anschließend verscharrt.
Holzskulpturen findet sich in Litauen häufig. Auch bei diesem Stellplatz gab es einen Holzkreis mit Figuren aus der baltischen Mythologie. Links steht der Schöpfer der Welt, in der Mitte steht Medeina, die Göttin des Waldes, der Flora und Fauna und rechts steht die Göttin des Feuers, Gabija.
Unser nächster Stopp ist Trakai und das gleichnamige Wasserschloss.
In Trakai gibt es zwei Stellplätze für Womos, beide liegen nah beisammen, einer hat Seeblick, was den Preis um 10 € erhöht. Wir haben uns für den günstigeren entschieden.
Das nette Städtchen ist vor allem wegen seiner Burganlage bekannt, aber auch die alten bunten Holzhäuser in der Hauptstraße sind sehenswert und danach können sich die vielen Besucher in einem der kleinen Cafés entspannen und auf den See blicken.
Wir waren abends im Restaurant Apvalaus Stalo Klubo essen, das einige Speisen mit Raucharoma aufpeppte.
Nun auf nach Vilnius. Es gibt einen großen Parkplatz in der Nähe des Burgbergs und von dort aus kann man die Altstadt und alle wichtigen Punkte gut zu Fuß erreichen. Das hat seinen Preis: 1,50 € pro Stunde ist kein Schnäppchen.
Die vielen Kirchen, die es in der Stadt gibt, lassen wir hier mal außen vor und erzählen von anderen vielleicht nicht so bekannten Dingen.
In einem Innenhof in der Stiklių-Straße entdeckten wir Medeina, die Waldgöttin, die auf einem Bären reitet. Die Sage ist alt, die Bronzestatue relativ neu, sie stammt von 1988.
Auf dem Rathausplatz steht das wohl ungewöhnlichste und modernste Wahrzeichen der Stadt.
Es verbindet Vilnius in Echtzeit mit den Städten Dublin, Ipswitch, Philadelphia, Lublin, Manila und Piaui.
Schön zu sehen, dass die Menschen in diesen Städten stehenbleiben, winken, tanzen und den anderen Menschen in den anderen Städten zulächeln. Die Idee und Umsetzung stammt von Benediktas Gylys, einem litauischen Künstler und Gründer der Initiative Portals.org. Immer wieder kommen neue Städte hinzu. Ein schönes Zeichen und ein Hinweis auf das verbindende zwischen den Menschen und Kulturen auf der Welt.
Wir konnten einem besonderen Spektakel beiwohnen, dem Corki Rennen!
Nicht immer haben sich die kleinen Hunde an die Anweisungen ihrer Frauchen gehalten und auf der kurzen Strecke eine Abzweigung genommen.
Von unserem Guide wurden wir auf spezielle Nummernschilder für noch speziellere Fahrzeuge hingewiesen. Wer hier das nötige Kleingeld besitzt, kauft sich eines dieser Nummernschilder, deren Preis bis zu 5.000 Euro betragen kann.
Am Fluß Vilna liegt mitten in Vilnius die Republik Uzupis. Der Name bedeutet jenseits des Flusses. Dieser kleine Stadtteil ist von drei Seiten von der Vilna umschlossen und vor dem Zweiten Weltkrieg lebte hier hauptsächlich die jüdische Bevölkerung.
Nach Ende des Krieges wurde der Ort eine Stätte für Kriminelle und Obdachlose. Und nach der Unabhängigkeit entdeckten Künstler die Gegend und ließen sich dort nieder.
1997 wurde die Republik Uzupis gegründet: Regierungssitz wurde das Café Uzupio, davor wurde eine Bronzetafel mit den Artikeln der Verfassung montiert. In der Zwischenzeit gibt es diese Tafel in allen wichtigen Sprachen entlang der Mauer.
Jedes Jahr am 1. April wird die Gründung der Republik gefeiert, es gibt Grenzkontrollen an den Brücken und aus dem Brunnen soll sogar Bier fließen.
Im Künstlerviertel findet sich auch Jesus mit Rucksack als Wanderer zwischen den Welten ein.
Für uns gab es am Abend einen Aperitivo, dessen Preis sogar uns Münchnerinnen kurz zögern lässt.
Der nächste Morgen beginnt mit Regen, der sich im Laufe der nächsten Stunden intensiviert.
Also nichts wie rein in die Markthalle, dort ist es trocken und wir können unsere Vorräte aufstocken.
Ungefähr eine Stunde nördlich von Vilnius gibt es in Rumsiskes ein großes Freilichtmuseum.
Verschiedene Dörfer und Höfe aus allen Landesteilen und Jahrhunderten wurden hier wiederaufgebaut.
Das Gelände ist so groß, dass sich der Besuch mit dem Fahrrad lohnt. Wir können auf dem Parkplatz günstig übernachten und erleben ein Gewitter mit Starkregen und nicht enden wollenden Blitzen und Donner.
Das Wetter wird nun für die nächste Zeit wechselhaft bleiben. In Kaunas haben wir aber Glück und können die Stadt bei angenehmen Temperaturen und Sonnenschein besuchen
und am belebten Markplatz in ein typisch litauisches Restaurant einkehren.
Zum Ausklang geht es in der Strandbar neben dem Campingplatz. Und weil der 6. Juni für mich ein besonderes Datum ist, gibt es einen Cocktail, der aus einem großen und einem kleinen Glas bestand.
Die letzten Jahre sind wir quer durch Europa gefahren und wurden fast überall mit den deutschen Verbrechen während der Nazizeit konfrontiert. Und hier in Polen, mitten im Nirgendwo, hat sich Hitler und sein engster Stab fast drei Jahre des Krieges verschanzt, gut geschützt im Wald und mit uneinnehmbaren Bunkern ausgestattet. Selbst als die Deutschen beim Rückzug alles vernichten wollten, haben die enormen Sprengladungen, die sie benutzt haben, nicht ausgereicht, um alles zu zerstören.
Hier sieht man, dass die Sprengung diesen Bunker nur horizontal spalten konnte.
Das Hauptquartier wurde maßstabsgetreu nachgebaut auch mit den entsprechenden Positionen von Aktentasche und Hitler. Und so sah es nach der Explosion aus.
Die Verhaftung und Ermordung der Attentäter dauerte nur wenige Stunden
Auch an den Weihnachtsschmuck wurde gedacht und Filme wurden im eigenen Kino gezeigt.
Jede Einheit und jede Nazigröße hatte ihren eigenen Bunker
manche sind so gut erhalten, dass die Besucher durchgehen können.
Übernachtet haben wir tatsächlich auch auf dem Gelände, es gibt einen Stellplatz für Wohnmobile.
Jetzt ist aber erstmal Schluss mit Geschichte, es geht an die Seen in Mausren. Die erste Station ist der Campingplatz Mazur Syrenka. Die beiden Betreiberinnen sind im Schwäbischen geboren und aufgewachsen, vielleicht liegt es daran, dass hier nur deutsche Womos stehen.
Wir leihen uns am Campingplatz ein Kanu und fahren den Fluß entlang bis zur Abholstelle.
Unser nächster Stopp ist Mikolajki, mit langer Strandpromenade und gutem Essen.
Gegessen haben wir im Restaurant Nóż w wodzie, das nach dem ersten Spielfilm von Roman Polanski benannt ist und auch hier gedreht wurde.
Das Wetter wird immer besser und so fahren wir weiter nach Bryzgiel und genießen den Blick auf den See Jezioro Wigry, kurz vor der Grenze zu Litauen.
Solidarnosc entstand im Sommer 1980 und wurde von Anfang an von einer breiten Gesellschaftsschicht unterstützt: Arbeiter, Intellektuelle, Studenten und sogar Papst Johannes Paul II.
Auch Ronald Reagan hatte sich damals als einer der wenigen ausländischen Politiker mit der Solidarnosc-Bewegung solidarisiert und die amerikanische Bevölkerung aufgefordert, als Zeichen der Solidarität eine Kerze ins Fenster zu stellen.
Die bekanntesten Persönlichkeiten von Solidarnosc waren Anna Walentynowicz und Lech Walensa. Wegen der bevorstehenden Entlassung von Anna Walentynowicz kurz vor der Rente traten die Werftarbeiter in Danzig in den Streik, gründeten die Gewerkschaft Solidarnosc und wählten Lech Walensa zu ihrem Führer.
Weil alle Arbeiter in der Werft blieben, wurden sie von der Bevölkerung auf einem stillen Marsch zur Werft mit Brot versorgt.
Im Verlauf ihres Bestehens wurde die Gewerkschaft immer weiter politisiert und wuchs auf etwa 9,5 Mio. Mitglieder an.
Als Mitte Dezember 1981 das Kriegsrecht ausgerufen wurde, wurden viele Mitglieder der Gewerkschaft verhaftet und die Organisation verboten. Auch wenn es noch Jahre dauerte, bis das sozialistische Regime in die Knie gezwungen wurde, war mit Solidarnosc der Widerstandsgedanke in der polnischen Bevölkerung verankert.
Heute ist das Verhältnis der Danziger Werftarbeiter zur Obrigkeit deutlich entspannter.
Die Altstadt von Danzig ist das ganze Jahr über ein Touristen Hotspot, unser Guide rät allen dazu den Sommer zu meiden und dafür die ruhigeren Tage im Frühjahr oder Herbst zu nutzen.
Wir hatten bestes Wetter und waren zwei Tage bei Sonnenschein unterwegs
Die Bitte der Stadtobersten, keine Schlösser mehr an die Brücke zu hängen, bleibt erfolglos. Dabei wurden bei einer einmaligen Aktion bereits 9,5 Tonnen an Liebesschlössern entfernt. Was wohl aus den betroffenen Beziehungen wurde?
An Pfingsten fand ein spontaner Umzug einer Gruppe aus dem Umland statt. Auf Nachfrage erfuhren wir, dass es sich um eine Delegation der Konservativen Bauernpartei handelt. Frägt man deren Mitglieder, welche Partei gerade regiert, heißt die immer gleiche Antwort „unser Koalitionspartner“
Der Herr auf dem linken Bild wirkt tatsächlich etwas kopflos. Wenn man einige Schritte nach vorne geht, scheint er wieder bekopft zu sein.
Bei einer Stadtführung mit dem sehr geschätzten Guide erfuhren wir mal wieder sehr viel Erhellendes. Die Wappen von links nach rechts: das königlich preußische Wappen, das Wappen der polnisch-litauischen Union und das Stadtwappen von Danzig. Die beiden Kreuze im Stadtwappen erinnern an das Wappen des Deutschen Ordens.
Die Methoden zur Eintreibung eines angemessenen Trinkgelds für den Guide sind allerdings sehr rustikal und auch der Hinweis darauf, dass das im Mittelalter so üblich war und die Stadtbesucher einen authentischen Eindruck gewinnen sollen, macht die Sache nicht besser.
Unser Campingplatz Stogi war am Stadtrand und direkt an der Ostsee gelegen. Strandspaziergänge und Sonnenuntergänge am Hafen inklusive.
Srem ist ein kleines Städtchen, deren gastronomische Angebote an diesem Sonntag von Familien mit Kommunionkindern bevölkert werden. Hier im katholischen Polen sind auch die Kleinsten perfekt herausgeputzt für diesen wichtigen Tag.
Übernachten konnten wir am Strand von Srem, am Grzymisławskim See. Einen erster mutiger Schwimmer haben wir schon im Wasser gesichtet. Für uns war es allerdings noch zu kalt, wir trugen gegen Abend Daunenjacken. Der Sonnenuntergang war spektakulär.
Weiter geht es zur Geburtsstadt von Nikolaus Kopernikus, nach Torun.
Unser Campingplatz Tramp lag auf der anderen Weichselseite, die Altstadt war aber über die Brücke schnell zu erreichen. Das Rad entpuppte sich als untauglich für Torun, da der Straßenbelag wohl noch aus mittelalterlichen Zeiten stammen musste und ein Fahren in der Altstadt unmöglich machte.
Neben einer Seemine war auch das Denkmal von Kopernikus ein Rastplatz für die vielen Kindergarten- und Schülergruppen, die sich hier vergnügten.
Ist das die Klagemauer von Torun? Nein, links geht es um Modefotografie, rechts um langwierige Gespräche, die eine gewisse Anlehnungsbedürftigkeit verursachen.
Gut gegessen haben wir abends im Restaurant Piernicova, auf das uns unsere Michelin App aufmerksam gemacht hat.
Gut 150 km weiter nördlich liegt Malbork mit der Marienburg, die als größte Burganlage in Backsteingotik bezeichnet wird. Und diese Burganlage ist wirklich sehr beeindruckend. Mehrere Stunden hat uns der Audioguide auf unterhaltsame Weise durch die Anlage geführt. Auch hier waren viele Schulklassen unterwegs, die sich zuvor mit einem kleinen Teufelstrank stärkten.
Winrich von Kniprode und Albrecht von Brandenburg, beides wichtige Hochmeister des deutschen Ordens. Die weltlichen Helfer hießen übrigens Kompane, eine Ableitung von companio, übersetzt Brotgenosse.
Darstellung der Parabel der zehn Jungfrauen: die fünf Brautjungfern links sind klug, sie haben außer ihren Öllampen auch genügend Öl dabei. Die Ladies rechts sind töricht, sie haben kein Öl dabei und da sich der Bräutigam verspätet und erst bei Dunkelheit eintrifft, haben sie das Nachsehen, weil er sie nicht sehen kann. „Ich kenne euch nicht“ soll er gerufen haben.
Auch das Thema der Toilettenversorgung wurde aufgegriffen und inklusive des damaligen Klopapiers zur Schau gestellt.
Jelenia Gora, ehemals Hirschberg, liegt in der Nähe des Geburtsorts der Mutter des Fotografen. Es ist heute eine hübsche Kleinstadt mit gut restaurierten Häusern, Pubs und Restaurants. Das lokale Bier ist auch in der alkoholfreien Variante sehr zu empfehlen.
Eigentlich hatte der Fotograf ja versprochen der Urinalfotografie abzuschwören und er war seit Irland auch absolut abstinent, aber gleich in Hirschberg wurde er in Anbetracht der reizenden Dekoration rückfällig. Nun verspricht er mal wieder, auf weitere Dokumentation derartiger Geschmacksverirrungen zu verzichten.
Der Auto Camping Park Jelenia Gora liegt am Stadtrand und in zehn Minuten ist man in der Altstadt
Unterwegs kann man sich zu der Dame an den Tisch setzen, allerdings fällt die Unterhaltung einseitig aus.
Weiter führt uns der Weg an den Rand des Riesengebirges. Dort steht eine norwegische Stabkirche, die Kaiser Friedrich Wilhelm IV. dort abbauen und nach Schlesien transportieren ließ. Die Kirche besteht komplett aus Kiefernholz und wurde ohne Verwendung von Nägeln zusammengebaut.
Die Pfeiler sind komplett mit Schnitzereien verziert und um den inneren Kirchenraum führt ein hölzerner Meditationsgang, der das Innere der Kirche vor Kälte schützen soll.
Unser Stellplatz mit Blick zur Schneekoppe befindet sich bei Sosnówka und gehört dem Besitzer des Restaurants Zloty Widok, einem Engländer. Daher gibt es hier auch Fish and Chips.
Von Schömberg kommend nähern wir uns dem ehemaligen Erlendorf und dem Gut des Großvaters. Unsere Internetrecherche hat sogar ein Bild aus alten Zeiten hervorgebracht.
Zwei Gebäude stehen noch heute, allerdings betreiben die Bewohner keine Landwirtschaft mehr.
Und auch das Schulhaus gibt es noch, nur wenige Schritte vom Hof entfernt. Nun erschließt sich auch, warum in Erzählungen oft die Rede davon war, dass das Fräulein Haupt, die Klassenlehrerin der Kinder, angeblich zufällig, aber immer zur Abendbrotzeit vorbeikam und dann eingeladen wurde mit der Familie zu essen. Sehr zum Leidwesen der Schulkinder.
Nur wenige Kilometer weiter in Kamienna Góra steht das Kloster Grüssau mit der Klosterkirche Mariä Himmelfahrt und der Josefskirche. Die Klosteranlage gehört zu den am besten erhaltenen Klosteranlagen in Schlesien. Besonders berühmt sind die Kirchen für ihre Fresken und aufwändigen Decken- und Wandmalereien und die aus dem 18. Jahrhundert stammende Orgel.
Die dunklen Seiten des Klosters kamen in der Zeit des Nationalsozialismus. Das Kloster wurde zum Lager, in dem ab den 1940er Jahren Juden interniert und dann oftmals nach Theresienstadt deportiert wurden.
Unser nächster Halt ist Breslau. Der Stellplatz liegt am Stadtrand, Camp Wroc, wenige Minuten von einer Tramhaltestelle entfernt und in unserem Alter ist der öffentliche Nahverkehr kostenlos nutzbar.
Leider hat das Wetter nicht mitgespielt. Nur am ersten Abend konnten wir noch das sonnige Breslau erahnen, dann wurde es empfindlich kalt und ich war dankbar für lange wärmende Unterwäsche, Regenjacke und Regenschirm.
Wer glaubt, dass Breslau Glück hatte und im Zweiten Weltkrieg nicht zerstört wurde, liegt falsch. Die Altstadt war komplett zerstört, aber die Fassaden und Häuser wurden nach dem Krieg so originalgetreu wie möglich wieder aufgebaut.
Das Rathaus wird heute als Museum genutzt und im Keller und auf der Freischankfläche befindet sich der Schweidnitzer Keller, eines der ältesten Gasthäuser Europas. Nach unseren Erfahrungen in Dresden ließen wir diese touristische Institution wohlweislich links liegen.
Für den ersten Abend hat Michael mal wieder einen interessanten Restauranttipp ausgegraben und so suchten wir auf einem alten Fabrikgelände das Nafta Neo Bistro.
Gefunden haben wir das Restaurant im dritten Hinterhof, in einem Gebäude mit hohen Backsteinwänden, in das die bestehenden Bäume einfach integriert wurden.
Das Restaurant bietet eine moderne Version der polnischen Küche, eine interessante Weinauswahl und das Ganze zu moderaten Preisen.
Schwieriger als die passende Speisenauswahl war es hier, die richtige geschlechtsspezifische Tür zu finden.
Aus einer Oppositionsbewegung in den 80er Jahren mit Demonstrationen in Zwergenkostümen, hat sich eine ganze Zwergensubkultur auf Knöchelhöhe in der Stadt entwickelt. So muss am Acht geben, dass man nicht über kauernde Touristinnen stolpert.
Mittlerweile sollen sich über 1.000 Zwerge in der Breslauer Innenstadt befinden.
Nach der verregneten Stadtführung gab es ein Mittagessen in der Markthalle.
Die Portionen sind reichhaltig und deftig und reichen mancher Frau den ganzen Tag.
Es gibt hier sogar einen Ableger der Strumpftante!
Am Wochenende fand das erste von fünf Foodfestivals am Fluss statt. Das war genau das richtige für uns.
Stände mit internationalen Speisen von deftigen Fleischstücken bis zur Zuckerwatte war alles vorhanden.
Beim polnischen Wein war allerdings noch Luft nach oben.
Hier Okonomiyaki: eine Art japanische Pfannkuchen mit Bonitoflocken
Links eine besondere Spezialtät: geröstete Markknochen, rechts Raclette
Bei schönem Wetter lohnt sich ein Besuch auf jeden Fall, deshalb hier die nächsten Termine.
Gut gestärkt sind wir dann noch zur Neon Side Gallerie, in der zeitgenössische Künstler:innen ausstellen und an deren Fassade historische Neonlichter aus kommunistischer Zeit hängen.
Viele davon wurde damals vor Ort von der Firma Reklama produziert. Heute ist der Hinterhof ein beliebter Treffpunkt.
Der Mai ist gekommen und wir starten in unseres nächste Womojahr. Auch diesmal soll es nach Norden gehen, über Polen ganz nach oben ins Baltikum.
Wir starten bei herrlichem Sommerwetter und kommen bis Bayreuth. Eine Stadt bis in die Haarspitzen auf Wagner zugeschnitten.
Ihr habt euch gewünscht, dass wir auch unsere Übernachtungsmöglichkeiten erwähnen, damit ihr bei Bedarf schnell auf die Infos zugreifen könnt. Daher gibt es jetzt immer einen Hinweis, wo wir die Nacht verbracht haben.
In Bayreuth war es der kostenfreie Stellplatz in der Grünewaldstrasse 2, direkt am Radweg gelegen, auf dem man schnell ins Zentrum gelangt.
Der nächste Stopp ist in Naumburg und wir besichtigen den Dom, der seit 2018 zum UNESCO Welterbe erklärt wurde.
Die Krypta stammt aus dem 12./13. Jahrhundert und ist einer der ältesten Teile des Doms. Das Kruzifix ist um 1170 entstanden. Links und rechts davon gibt es moderne Glasfenster aus den Jahren 2012 und 2014.
Diese Handläufe sind an den Treppen zum Ostchor angebracht. Leider konnten wir wegen Renovierungsarbeiten den „schmalen Pfad ins Paradies“ nur teilweise und von Ferne sehen.
Die Glasfenster der Elisabethkapelle wurden erneuert und 2007 eingeweiht. Neo Rauch hat in ihnen Szenen aus dem Leben der heiligen Elisabeth dargestellt.
Der sehr informative Audioguide hat uns alles Wissenswerte über den Dom erzählt.
Übernachtet haben wir in Dornburg, einem kleinen Städtchen in der Nähe von Jena. Dort haben wir einen Freund aus Jugendtagen und Besitzer eines Solarmobils, mittlerweile ein kleiner autarker Roadtrain, besucht.
Am nächsten Tag geht es weiter nach Meißen – danke Petra, für den Tipp und die Kaffeepause bei Dir!
Dort gibt es einen Stellplatz beim Freizeitpark Wellenspiel und mit dem Rad ist man in 15 Minuten in der Innenstadt von Meißen.
Schwierig nur, dass solch eingängige Namen sich dauerhaft in den Hirnwindungen der Reisebegleitung festsetzen und dann über Tage wieder recycelt werden. Äußerungen wie zum Beispiel „mein kleines Fettbemmchen“ werden durchaus als problematisch empfunden und umgehend sanktioniert.
Praktischerweise befinden sich die beiden Hauptattraktionen, der Dom und die Albrechtsburg, direkt nebeneinander. Der Dom im gotischen Stil gebaut, wirkt neben der ausladenden Albrechtsburg sehr zierlich und schon Goethe nannte es das „schlankste und schönste Gebäude jener Zeit“.
Die Albrechtsburg ist keine Burg, sondern ein Schloß und zwar eines der ältesten in Deutschland. Hier kann man zwischen Audioguide und einem Histopad wählen. Mit letzterem kann man in die Vergangenheit reisen. Das war uns zu gewagt, wir haben die Audioversion bevorzugt.
Auch für Leseratten bietet Meißen allerlei Dekomaterial.
Das Wetter wurde leider täglich schlechter und in Dresden war es dann schon empfindlich kalt.
Wie gut, dass wir die Ausstellung Paula Modersohn-Becker und Edvard Munch besuchen wollten. Die beiden widmeten sich den großen Fragen des Lebens.
Der Fürstenzug auf der Außenseite des Stallhofes hat den Fotografen besonders wegen Friedrich dem Gebissenen fasziniert.
Unter Missachtung sämtlicher kulinarisch-gastronomischer Vorsichtsmaßnahmen sind wir latent hypoglykämisch in den historischen Sophienkeller im Stadtzentrum eingefallen. Die vielen asiatischen Reisegruppen und die Kanonenkugeln auf dem Tisch hätten uns warnen müssen. Wer zu einer merkwürdig entbeinten Ente seltsam enthirnte Zoten über einen durch eine Sense entmannten Bauern genießen möchte, der ist hier richtig. Wer vernünftige sächsische Küche bevorzugt geht woanders hin.
Oder er geht in die Neustadt und kann dort zwischen den unvermeidlichen Bowls und Ramen auswählen.
Interessant ist die Dresdner Neustadt allemal
Fühlt sich jemand von dem wissenschaftlichen Angebot angesprochen? Probanden sind sicher noch willkommen.
Am nächsten Morgen hatten wir die Gelegenheit ein Orgelkonzert auf der bekannten Silbermannorgel in der Hofkirche zu hören.
Und dann ging es von unserem Stellplatz am Alberthafen, der wieder direkt am Radweg zur Innenstadt liegt, weiter nach Görlitz.
Hier hatten wir einen sehr preisgünstigen und einfachen Stellplatz in der Südstadt, Zittauerstrasse.
Aber was sollen wir zu Görlitz sagen? Unser samstäglicher Spaziergang führte uns zufällig zu einer kleinen Kirche, vor der ein paar wenige Menschen vor diesem Aufsteller standen.
Am nächsten Tag waren OB-Wahlen und die Sorge war groß, dass der AfD-Kandidat die Wahl gewinnen würde. Bei unserem Gespräch mit der Gruppe, wurde uns schon bang. Denn die Geschichten, die uns erzählt wurden, waren unglaublich, unvorstellbar und machen uns Angst vor der Zukunft. Wir haben den Ausgang der Wahl verfolgt und auf einen Sieg des CDU-Kandidaten gehofft, aber keiner der Kandidaten hat über 50% der Stimmen erhalten (CDU und AfD lagen sehr knapp beieinander bei 45% ), so dass am 24. Mai die Stichwahl stattfinden wird. Wir drücken dem CDU Kandidaten die Daumen. Wer hätte gedacht, dass es so weit einmal kommen würde.
Ein anderer Wein, den es im Westburgenland gibt ist der Schilcher.
Die Sage berichtet, dass römische Händler eine Fuhre mit italienischen Weinstöcken umgeworfen hätten und ein steirischer Weinhacker schnell zur Stelle war, um die Reben zwischen seine Weinstöcke zu pflanzen und so war der Schilcher geboren. Die Farbe der Traube ist immer gleich – rot. Und der Name der Rebe ist auch immer gleich – Blaue Wildbacher Rebe. Aber die Farbe des Schilcherweines ist je nach Ort verschieden und changiert von hellrot bei Stainz, über dunkles rosé nur 15 km weiter bis man in Eibiswald durchaus glauben kann einen Rotwein zu trinken. Woran das wohl liegt?
Die meisten kennen den Schilcher-Sturm, also den neuen Wein mit hohem Zuckergehalt und wenig Alkohol. Schilcher wird auch als Spritzer bzw. Schorle angeboten. Wohingegen der trocken ausgebaute Schilcher mit seinem hohen Säuregehalt durchaus eine Herausforderung für Winzer und Trinker sein kann. Unser Gastgeber räumte ein, dass es Jahrgänge geben kann, in denen die Säure im Keller reduziert werden muss. Das Aroma ist wie beim Uhudler wieder extrem fruchtig, aber durch die Säure deutlich interessanter und in Verbindung mit einer steirischen Jause zeigt sich ein stabiler Trinkfluss.
Billa oder Buschenschank – das ist für uns keine Frage
Die Gegend bietet auch genügend Möglichkeiten, um sich zu Fuß oder per Rad zu bewegen
Und dann ist erst mal Schluss mit Österreich. Wir fahren weiter nach Slowenien.
Camperlife auf dem Ziegenhof in Sentanel
bei bestem Novemberwetter
und grandiosen Ausblicken auf die Berge
Da wir am Wochenende mit sehr übersichtlicher Kühlschrankfüllung auf dem Campingplatz Menina in Varpolje ankamen, ergoogelten wir uns eine hochgelobte Burgerbraterei. Das Essen war tadellos,
auf die ganzjährige Halloween-Deko waren wir aber nicht vorbereitet. In Anbetracht unseres unten herum gut bestückten Tischskeletts, bevorzugten wir in diesem Fall das Kopf- bzw. Schädelende des Tischs.
Das Wetter ist so gut, dass wir uns spontan für einen Aufenthalt am Mittelmeer entscheiden. Wobei Slowenien nur über magere 46 Kilometer Küste verfügt, im Norden von Italien und im Süden von Kroatien begrenzt.
In Piran zeigt sich sehr deutlich die Nähe zu Italien
die Altstadt könnte auch die einer italienischen Küstenstadt sein
und auch das Essen war nach unserem Geschmack
Der Rückweg von Piran zu unserem Stellplatz führte uns direkt am Meer entlang
und die Stimmung bei Sonnenuntergang bzw. Mondaufgang war entspannend